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Die
Villenkolonie Mulang
Lage, Anfänge,
Überblick
Was ist eine Villenkolonie?
Drei Texte zur Gründung der Kolonie Mulang
Panorama-Aufnahmen
Straßennamen und Hausnummern
Mulangstraße
Wigandstraße
Burgfeldstraße
Küperweg
Schloßteichstraße
Siebertweg
Kurhausstraße
Lindenstraße
Steinhöferstraße
Löwenburgstraße
Brabanter Straße
Hugo-Preuß-Straße
Anthoniweg
Hotels, Sanatorien und Restaurants
Die Außenstellen des KZ Buchenwald in Mulang |
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Die »Künstlerpostkarte« von etwa 1900 zeigt
die Lage der Villenkolonie Mulang am Hang des Habichtswaldes und
direkt am Schloßpark Wilhelmshöhe.*13

März 2003: Villenkolonie Mulang, Luftbild, aufgenommen
von Südosten.*13

Ca.1935: Luftbild von Westen.*12

Ca.1935: Prospekt des Kurortes Wilhelmshöhe: Vogelschau
auf Park und Mulang von Nordosten.*13

Ca. 1965: Luftbild von Wilhelmshöhe. Vorsicht, beim
Klicken öffnet sich eine Datei von etwa 400k. Noch keine der
heutigen Bausünden hat die Domäne Wilhelmshöhe und
die Villenkolonie heimgesucht.*13

Das erste Haus: Der »Gasthof Schweizerhaus«, erbaut
als Kurheim von Dr. Schmidt ca. 1867. Das Bild ist beschriftet:
»Gasthof Schweizerhaus, abgebrannt 8.5.1900.« Das Haus
wurde wieder aufgebaut, fiel dann aber dem 2. Weltkrieg zum Opfer.
Siehe auch »Kurort Wihelmshöhe« / »Wiederhold
und Rohrbach« sowie »Anthoniweg«.*14

War das der erste Bauzustand der Villa Hochapfel, heute Kurhausstr.1?
Oder das Haus Siebertweg 6? Jedenfalls ist es eine Aufnahme aus Mulang, entstanden um 1875.*14
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Lage, Anfänge, Überblick
Das Gebiet der Villenkolonie Mulang
ist bis heute klar begrenzt: auf dem Luftbild erkennt man
rechts oben den Schloßteich, den »Lac« im Park
Wilhelmshöhe und das Schloß. Das Parkgelände begrenzt
die Kolonie also im Norden und Westen. Im Süden und Osten, auf
dem Foto unten und links, liegen Landschafts-Schutzgebiete, die
als hellbraune Wiesen mit dunkelbraunen Baumstreifen erscheinen.
Ihren Namen hat die Villenkolonie vom »chinesischen«
Parkdorf Mou-lang (siehe das Kapitel »Chinesisches Dorf«).
Die Villenkolonie heißt übrigens nicht etwa »der
Mulang«, sondern einfach »Mulang« (worauf auf
besonderen Wunsch Karl-Hermann Wegners, des überaus kenntnis-
und verdienstreichen Direktors des Kasseler Stadtmuseums, gerne
hingewiesen wird).
Das erste Landhaus auf dem Gebiet der späteren
Kolonie wurde etwa 1867 erbaut: Die Villa von Sanitätsrat Dr.
Schmidt, dem ehemaligen kurfüstlichen Leibarzt. Sie lag
am oberen Ende der heutigen Mulangstraße, also auf dem Luftbild
ganz oben. Ebenfalls noch vor Gründung der Villenkolonie
entstanden das Landhaus von Julius Siebert, ca. 1877, an
der Mulangstraße im Siebertweg, und das Haus von Koloniegründer
Schmidtmanns »Vetter Hochapfel«, heute Kurhausstraße
1.
Die Hauptphasen von Aufbau und Ausbau der Kolonie (teils
mit fließenden Übergängen):
Gründungsphase, 1882 bis 1895. Die Villenkolonie
wuchs von der Burgfeld- und der Wigandstraße aus nach oben,
also nach Westen zu Schloßteich- und Kurhausstraße.
Die Häuser wurden zunächst im gründerzeitlichen Cottage-Stil
erbaut. Darunter verstand man eher kleinere Landhäuser mit
dekorativen Elementen wie sichtbarem Fachwerk, verzierten Balkonen
und Gebälk. Beispiel: Burgfeldstraße 4, ein besonders
reich gestaltetes Haus.
Ausbauphase, 1895 bis 1925: Prächtigere Häuser
wurden gebaut, der Stil bewegte sich teilweise weg von der historistischen
Gründerzeit in Richtung Jugendstil bzw. Neoklassizismus und
-barock, blieb aber nahe an dem der Gründungsphase. Die Kolonie
dehnt sich aus in Richtung Lindenstraße, Steinhöfer Straße,
Löwenburgstraße. Beispiel: Kurhausstraße
7, die neoklassizistische Villa Henkel.
Die Moderne macht sich bemerkbar, 1925 bis 1940. Es
entstanden schlichte, von Werkbund- und Bauhaus-Gedanken beeinflußte
Bauten, entlang der Brabanter Straße, in der Hugo-Preuß-Straße
und auf vielen Grundstücken, die durch Generationenwechsel
oder Geldmangel nicht mehr so repräsentativ bleiben konnten
oder sollten. Beispiel: Schloßteichstr.4, ein wunderbar
durchgestalteter und erhaltener Villenbau der Kasseler Architekten
Catta und Groth samt erhaltenem Garten von Harry Masz; vielleicht
das höchstklassige Gebäude der Villenkolonie.
Der Wiederauf- und Weiterbau nach dem Krieg, 1945
bis 1970: Teils wurden Häuser repariert, oft mit Notdächern
und ohne Wiederaufbau zerstörter Türmchen, teils wurden
auf den Grundmauern zerstörter Häuser neue gebaut, teils
wurden Grundstücke erstbebaut bzw. geteilt und mit kleineren
Einfamilien- oder halbwegs passenden Mehrfamilienhäusern bebaut.
Beispiele: Steinhöferstraße 8a, eine gekonnte
50er-Jahre-Villa; Steinhöferstraße 5, ein interessanter
Flachdach-Bungalow, wohl aus den späten 60er Jahren.
Die Spekulanten- und Zerstörungsphase, und als Reaktion
der Denkmalschutz: 1970 bis heute. Teilweise wurden noch rasch
herrliche Häuser zerstört, bevor der Denkmalschutz griff
(konsequent und kompetent tut er das bis heute nicht, was auch an
seiner Position als Anhängsel des Baudezernats liegt; die Denkmalschutz-Mitarbeiter
sind teilweise hochengagiert!), auch solche, die eigentlich schon
geschützt waren; Anwohnerproteste wurden laut. In diesen Fällen
und auf freien Flächen wurden und werden nicht mehr Bauten
für den eigengen Gebrauch errichtet, sondern maximal flächen-
und kapitalausnutzende Bauten von anonymem Charakter. Seit den 90er
Jahren entstehen auch hier die ästhetisch gefürchteten
aufgedonnerten »Stadtvillen« mit möglichst
»praktischer« Gartengestaltung, nämlich so gut
wie gar keiner (Fachwörter für derartige »Gärten«
sind bezeichnenderweise: »Vor- und Begleitgrün«).
Beispiele: Lindenstr. 10; Kurhausstr. 12, 13, 14, 18, 20;
Schloßteichstr. 8, 12; das Burgfeld-Krankenhaus. Andererseits
wurden und werden Bauten (teils in letzter Sekunde) gerettet und
mit viel persönlichem Einsatz restauriert, oft wird auf maximalen
Ausbau und Grundstücksteilung verzichtet. Beispiele: Lindenstr.6,
Steinhöferstr.2 und wiederum Burgfeldstr.4.
Noch immer ist der Villenkolonie-Charakter in den meisten Teilen
der Villenkolonie sehr gut erhalten, für Resignation gibt
es keine Ausrede: Mulang ist eine der besterhaltenen Villenkolonien
ihrer Art in Deutschland und somit ein Baudenkmal-Ensemble von hohem
Rang.
Im Frühling 2004 hat sich eine Anwohner-Initiative
gebildet, die Einfluß auf die Entwicklung der Kolonie nehmen
will. Man wende sich bei Interesse an den Autor der Website.
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Ca.1915: »Villenkolonie
im Druseltal«: Neu-Holland.*13

Die Gartenstadt Brasselsberg südwestlich von Mulang, Postkarte
von etwa 1930.*13

Blick über die Gartenstadt Harleshausen zur Wilhelmshöhe,
ca.1935.*12

30er Jahre: die Gartenstadt Flüsseviertel im Bau.
Aufnahme aus Richtung Mulang nach Osten. Links die Christus-Kirche
zwischen Baunsbergstraße (von links nach rechts im Vordergrund)
und Landgraf-Karl-Straße.*12

Um 1910: Beispiel für den inflationären Gebrauch
des Wortes »Villenkolonie«: Eine konzeptionslose Ansammlung
von Häusern in Bad Charlottenbrunn, Schlesien.*13

Villenkolonie Berlin-Dahlem. Architekt dieses Hauses: Heinrich
Straumer.*13

Verwandte Geister aus Berlin: Arbeitskreis Geschichte Wilmersdorf
(Hrsg.): Grunewald ... zur Geschichte der Villenkolonie.
Metropol Verlag, Berlin 2002. ISBN 3-932482-98-0. Inhalt:
Wolfgang Homfeld: Erkundungen in Grunewald
Karl-Heinz Franßen: Heinrich Franßen, Baumeister
und Architekt 18491919
Imrgard Leder: Das Haus Winkler Straße 9 und seine
Bewohner (1891-1915)
Ingo Materna: Revolution in Grunewald (1918/1919)
Horst Hoppe: Börmel, Lessing, Tuaillon und Co. Eine
fast vergessene Generation Grunewalder Bildhauer
Kraft-Eike Wrede: Grunewalder Nachbarn: Die Familien Beutner
und Magnussen
Wolfgang Homfeld: Dampfstraßenbahnen in Grunewald
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Was ist eine Villenkolonie?
Zu einer »Villenkolonie« gehört mehr als eine
Ansammlung von villenartigen Häusern. Es braucht einen verbindenen
Gedanken und eine zumindest anfänglich einheitliche
Planung. Die ersten Villenkolonien entstanden um 1880, als durch
die Arts-and-Crafts-Bewegung in neuen Zusammenhängen über
Architektur im industriellen Zeitalter nachgedacht wurde und die
Industrialisierung andererseits eine Stadtflucht unter denen auslöste,
die es sich leisten konnten. (Zum Thema »Stadtflucht«
siehe auch die Kapitel »Kurort Wilhelmshöhe« und
»Luftbad Waldwiese«.) Begreiflicherweise wurde die Bezeichnung
»Villenkolonie« schon Ende des 19. Jahrhunderts von
Investoren, die Baugebiete erschlossen, gerne mißbräuchlich
auch für belanglose Ansammlungen teils nur weniger Neubauten
benutzt. Damit von einer Villenkolonie die Rede sein kann, müssen
aber einige Bedingungen erfüllt sein:
Entweder: Die Villenkolonie als eine architektonisch einheitlich
und auf der Höhe der Zeit geplante Siedlung von repräsentativen
Häusern, in denen begüterte Bürger, aber auch
Künstler und Mäzene, unter ihresgleichen wohnen konnten,
fernab der Enge, den Gerüchen und des Lärms der Stadt.
Typischerweise wohnten die Gründer solchen Kolonien selbst
dort. Beispiele für diesen Typus:
Kassel-Mulang
Darmstadt-Mathildenhöhe
Berlin-Dahlem
Beispiele mit Links ins Internet:
Berlin-Grunewald
Potsdam-Neubabelsberg
Oft konnte sich schon die zweite Generation solche Häuser
nicht mehr leisten, sie wurden in Mehrfamilienhäuser aufgeteilt
oder erweitert, zu Töchterheimen umgewidmet oder als Hotels
bzw. Pensionen betrieben - ein Fremdenverkehrsführer von 1910
schreibt unter »Pensionen« nach Aufzählung vieler
einzelner Mulang-Villen »...
sowie in vielen weiteren Villen«, ein anderer, ebenfalls
von 1910, benutzt das Wort »Villenpensionen«
und zählt die »Gasthöfe
u. Villen in Wilhelmshöhe« auf. Siehe die Liste
am Fuß dieser Seite, in der alle als Gasthäuser, Pensionen,
Cafés, Töchterheime gedient habenden Mulang-Adressen
aufgeführt werden. Desto bemerkenswerter ist jede gut erhaltene
Gründerzeit-Villenkolonie.
Oder: Villenkolonien als sozialreformerische oder hygienische
Bestrebung, schöne, aber nicht zu teure Bauten auch für
Menschen, die nicht zu den oberen Zehntausend zählten, zu errichten.
Auch diese Art von Villenkolonien wurden fernab der Stadtzentren
errichtet, aus hygienischen Gründen, aber auch, um Grundstücksspekulanten
fernzuhalten. Diese Art von Villenkolonie überschneidet sich
mit dem Begriff der »Gartenstadt«. Immerhin kamen
die Nachfolge-Generationen wegen der bescheideneren Häuser
seltener in finanzielle Nöte als bei den Gründerzeitkästen.
Beispiele für den Gartenstadt-Typus:
Kassel-Harleshausen
Kassel-»Flüsseviertel«
Kassel-Kirchditmold
Villenkolonie Buchschlag
Beispiele mit Links ins Internet:
Kassel-Brasselsberg
Gartenstadt
Hamburg-Wandsbek
*9
Auch die »Villenkolonie« Neu-Holland verdient hier Erwähnung;
sie liegt im Druseltal zwischen Mulang und dem Herkules. Um eine
Villenkolonie im engeren Sinne handelt es sich eher nicht (wer es
besser weiß, ist um Mitteilung gebeten).
Der Charakter der teils sehr wertvollen und schönen
Kasseler Villenkolonien und Gartenstädte und vieler ihrer bedeutenden
Häuser sind durch Spekulation bedroht. Daher auch die
vielleicht etwas stereotyp wirkenden Bemerkungen »Erhalten«
bzw. »Nicht erhalten« bei den Bildern. Es ist erstaunlich
und erfreulich, wie viele Häuser der Villenkolonie Mulang erhalten
sind. Der Denkmalschutz schwankt hingegen zwischen der Resignation
des »sowieso-zu-spät« und der Zufriedenheit des
»sowieso-geschützt«. Hier zeigen sich einmal öfter
die Schwierigkeiten, denen der Denkmalschutz als eine dem Baudezernat
nachgestellte Behörde ausgesetzt ist. Die Erhaltung der
Struktur einer Villenkolonie ist mindestens so wichtig wie
die Erhaltung ihrer historischen Türklinken.
Nach diesen etwas ungebärdigen Worten: zur Versöhnung
eine besonders hübsche Gartenstadt-Werbemarke aus München.
Man sieht auch hier die Wichtigkeit der Straßenbahn als Werbemittel,
aber auch das ländliche Idyll. Die Einheit zwischen graphischer
Sprache von Illustration und Typografie mit der Architektur jener
Zeit ist hinreißend.*13

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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Kartenausschnitt mit Eintragungen über »Die
ältesten Einwohner von Wilhelmshöhe« aus
dem Archiv der Familie Siebert. Die Karte selbst ist von ca. 1895
und enthält ausgiebige Kur-Entwicklungspläne (zu sehen
am linken Rand). Das Fenster, das sich durch Klicken auf das Bild
öffnet, ist sehr groß.*4

Das Foto von etwa 1882 zeigt »die
ersten verkäuflichen Villen«.
Es entstammt dem Erinnerungsbuch des Kolonie-Gründers Heinrich
Schmidtmann (18421921). Aus seinem Nachruf: »Eine
hingebende, offene und gesellige Natur, dabei schaffensfreudig und
für alle Schönheiten in Kunst und Natur empfänglich,
für den Nächsten und die Allgemeinheit besorgt, ohne nach
Anerkennung und nach Ämtern zu streben das war Heinrich
Schmidtmann!«*2
Die beiden rechten Häuser, Burgfeldstr.1 und 3, sind
im Krieg zerstört worden. Nr.5 ist erhalten (siehe unten
unter »Burgfeldstraße«).*1

Burgfeldstr. 7, 5, 3, 1 (v.l.n.r.): Die ersten vier Villen,
Foto von ca. 1882. Blick aus dem Pensionhaus Wilhelmshöhe,
Wigandstraße 5. Die Häuser Burgfeldstraße Nr.7
und Nr.5 sind erhalten.*12
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Drei frühe Texte
Zur Mulang-Villenkolonie-Gründung
gibt es (mindestens) drei Texte von Zeitzeugen:
Ein Vortrag über die Kolonie und ihre technische
Entwicklung von Gustav Henkel: *25
»Versuch
zu einem geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung von
Henkels-Elektrizitätswerken zu Cassel-Wilhelmshöhe 1892-1914.
Vorgeschichte. Am Aufblühen der Villencolonie
Wilhelmshöhe sind ganz besonders zwei öffentliche Einrichtungen
von hervorragendem Einfluss gewesen: Die Anlagen der Ent- und Bewässerungs-Genossenschaft
und die Errichtung von Henkels Elektrizitätswerken.
Bildeten erstere eine sanitäre Notwendigkeit für die Anwohner,
so wurde durch die Versorgung der Villencolonie mit elektrischem
Licht erst eine wirkliche Behaglichkeit geschaffen, die das Wohnen
in dem neu entstandenen Vororte von mancher tief empfundenen Unzuträglichkeit
befreite. Vor allem wurde die öffentliche Sicherheit durch
die Anlage einer elektrischen Strassenbeleuchtung ausserordentlich
gefördert. [...]« Dieser
Vortrag ist so lang, daß er auf einer eigenen Seite abgelegt
wurde: Für den vollständigen Text bitte
hier klicken.
Eine Passage in der »Geschichte der Wilhelmshöhe«
von Paul Heidelbach: *11
»Noch bedarf die Entstehung
der an die Wilhelmshöher Parkanlagen im Süden angrenzenden
Villenkolonie einer Erwähnung. Die erste Villa baute dort bereits
gegen Ende der [18]60er
Jahre der frühere Leibarzt des Kurfürsten Sanitätsrat
Dr. [Justus]
Schmidt. Es war dies das jetzt zur Wiederholdschen Kuranstalt gehörige
Schweizerhaus. Einige Jahre später baute Rentier Reichel den
daneben stehenden Fachwerkbau, und in diesen beiden Häusern
mit dem dazwischengebauten Speisesaal begründete Dr.Wiederhold
seine Kuranstalt. 1873 wurde auf Anregung des Buchhändlers
Dr. [Georg Heinrich]
Wigand eine Aktiengesellschaft zur Erbauung des Pensionshauses Wilhelmshöhe
gegründet. Wigand, der schon 1870 während der Industrieausstellung
vom Königsplatz in Kassel nach Wilhelmshöhe Omnibusfahrten
eingerichtet hatte, rief dann später die Dampfstraßenbahn
ins Leben, wodurch der erste Anstoß zur Entstehung der Kolonie
gegeben war. Am 5.Juli 1877 wurde die Tramway KasselWilhelmshöhe
eröffnet. Gegen Ende der 70er Jahre erwarb Kaufmann Julius
Siebert von der Domänenverwaltung ein größeres Grundstück
an der Rasenallee [der heutigen
Kurhausstraße] und legte
hier einen großen Garten mit Landhaus an; um diesen herum
entstanden die ersten Privatvillen. [...]
1881 faßte Architekt [Wilhelm]
Schmidtmann den Plan, nach dem System der englischen Cottages eine
Anzahl Landhäuser, zu einer Kolonie vereinigt, gleichzeitig
zu erbauen. Gemeinsam mit Kaufmann [Carl]
Schwarz erwarb er von der Domänenverwaltung zwei Hektar des
an die Parkanlagen grenzenden Landes und machte auf diesem den Anfang
mit dem Bau größerer Straßen, zunächst durch
Herstellung der jetzigen Burgfeldstraße, die er sofort mit
vier Häusern bebaute. Damit war der Anfang zur eigentlichen
Villenkolonie gemacht. Es folgte die Anlage der Park-, Linden- und
Landgrafenstraße [heute Schloßteich-,
Linden- und Kurhausstraße],
die in wenigen Jahren mit Villen bebaut waren. Die Kosten der Straßenbauten
wurden von den Grundbesitzern bestritten ohne finanzielle Beihilfe
der Gemeinde, trotzdem diese durch die Kolonie an Steuerkraft erheblichen
Vorteil hatte. Durch Zuzug von außen gewann die Kolonie an
Ansehen und Ausdehnung. Gegen Ende der 90er Jahre erbaute Schmidtmann
noch die jetzige Fürstenstraße [heute
Hugo-Preuß-Straße]
und regte im Anschluß an diese die Ausführung weiterer
Straßen an. Schon Mitte der 80er Jahre gründeten die
Bewohner der Kolonie zur Herbeiführung eines einheitlichen
Kanalsystems und der Zuleitung von Quellwasser mit einem Kapital
von mehreren 100 000 M. eine Entwässerungsgenossenschaft,
deren Vorsteher nacheinander Julius Siebert, Louis Reuse und Oberst
Mende waren.«
Eine Passage in den »Erinnerungsbildern« des
Kolonie-Gründers Heinrich Schmidtmann: *1
»Schon lange war es mein
Wunsch, mich in Rücksicht auf meine gesundheitlichen Verhältnisse,
die immer noch sehr zu wünschen übrig ließen, auf
Wilhelmshöhe anzukaufen; disen Wunsch konnte ich mir jetzt
[Herbst 1880] erfüllen.
Mein Freund Julius Siebert [Siebertweg
1] sowie mein Vetter Hochapfel
[Kurhausstraße 1]
hatten sich bereits oben angekauft und sich schöne Sommersitze
am Wald geschaffen.
Mein Plan ging aber weiter; ich beabsichtigte,
nach dem System der englischen Cottages eine Anzahl Landhäuser,
zu einer Kolonie vereinigt, gleichzeitig zu erbauen; und dazu mußte
ich ein entsprechendes Bauterrain zu erwerben suchen. Als solches
schien mir das dem Pensionshaus gegenüber liegende Domänenland
besonders geeignet, von welchem ich die Erbwerbung eines Theiles
bei der Königlichen Domänenverwaltung nachsuchte. Zu gleicher
Zeit war aber noch ein anderer Käufer, Kaufmann C. Schwarz,
der auf dasselbe Grundstück reflektierte, mit einem Gesuch
eingekommen, und um uns gegenseitig keine Konkurrenz zu machen,
erwarben wir gemeinschaftlich zwei Hektar des an die Parkanlagen
angrenzenden Landes, das wir je zur Hälfte unter uns teilten.
Auf diesem Terrain legte ich für unsere
gemeinschaftliche Rechnung eine neue Straße, die jetzige Burgfeldstraße,
bis zur halben Länge an und erbaute an dieser meine ersten
Villen, und zwar im Jahre 1881 drei und nach deren Vollendung die
vierte; damit war der Anfang zur eigentlichen Villenkolonie gemacht.
Wenn auch die Villenkolonie politisch zur früheren
Gemeinde Wahlershausen gehörte, so bestand doch zwischen dieser
und der Kolonie keine Interessengemeinschaft.
Das waren Zustände, unter denen die Kolonie
sehr zu leiden hatte, und eine gänzliche Lostrennung von der
räumlich getrennt liegenden Muttergemeinde wünschenswerth
machte; alle Versuche in diese Richtung waren jedoch vergeblich.«
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Die
Villenkolonie in Panorama-Aufnahmen.
Bevor die Straßen einzeln gezeigt werden, sollen einige Gesamtaufnahmen
einen Eindruck von Lage und Entwicklung der Kolonie geben. Die Hauptquelle
dafür sind Postkarten, und die wiederum gibt es hauptsächlich
aus der großen Zeit der Postkarten, also etwa 18951915.
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Ca.1900.*13

Ca.1915.*13
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Zwei Aufnahmen aus der Ferne.
Die grüntonig gedruckte Photographie von etwa 1900
wurde wohl vom »Hotel Schloß Weißenstein«
unweit des Bahnhofes Wilhelmshöhe aufgenommen. Man sieht, wie
die Villenkolonie in unmittelbarer Nähe des Parks liegt, noch
getrennt vom Stadtteil Wilhelmshöhe und dem rechts der Wilhelmshöher
Allee liegenden Dorf Wahlershausen.
Die brauntonige Aufnahme wurde
um 1920 vom Rammelsberg aus gemacht. Wir blicken auf den Tunnel
unter der Eisenbahn und in die Lange Straße. Der Bahnhof Wilhelmshöhe
lag und liegt weiter links. Im Vordergrund ist rege Bautätigkeit
zu erkennen.
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1900: Blick vom Rammelsberg auf Park und Kolonie.*13 |
Eine Montage
aus zwei Postkarten. Der Standpunkt beider Aufnahmen ist identisch:
der westliche Zipfel des Rammelsbergs. Der Turm auf dem Gebiet
des inzwischen erweiterten Straßenbahn-Betriebshofes
steht immer noch, seit einem Brand 1948 aber ohne Dach. Auch das Gebäude
ganz rechts hat überlebt. Damals war es das »Hotel und
Pension Schombardt« (siehe »Rammelsberg« im
Kapitel »Wilhelmshöhe«), heute ist es in einen häßlichen
Baukomplex integriert. Unterhalb des Schlosses erkennt man die Endhaltestelle
der Linie 1. |

1890: Die ersten Straßen der Villenkolonie.*23 |
Das Bild von 1890
zeigt die Kolonie aus derjenigen Perspektive, die für die meisten
»Panorama«-Aufnahmen jener Zeit gewählt wurde, nämlich
von der Christuskirche aus. Deutlich sind im Vordergrund die
beiden mächtigen Gebäude des Pensionshauses Wilhelmshöhe
(Mitte rechts) und der Klinik Dr.Greveler (rechts) zu sehen.
Die anderen Häuser von links nach rechts: Burgfeldstr. 11, 9,
7, Schloßteichstr. 3 (mit Türmchen und Säulenbalkon),
Burgfeldstr. 5, 4, 3, 2, 1. |

1905, Blick von Süden, über die Brabanter Straße.*13
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Das nebenstehende Bild
ist auf den ersten Blick unspektakulär, gibt aber bei näherem
Hinsehen einen schönen Blick auf zahlreiche Häuser. Links,
prominent, die Villa Mummy (Kurhausstraße), noch weiter links
ihre Nebengebäude an der Ecke Kurhausstraße / Brabanter
Straße. Beim Klicken auf das Bild öffnet sich ein besonders
großes Fenster, damit man viele Details sehen kann. Schön
ist auch der Hinweis auf den Herkulesblick, den man aus dieser
Richtung bis heute hat. |

1905: Panorama.*13

1910: Panorama.*13

1910: Panorama.*3

1915: Der Druselbach-Grünzug von Osten.*14 |
1905, zweimal 1910, 1915: Die Panoramabilder
zeigen, wie die Kolonie rasch grüner wurde. Der Druselbach-Grünzug,
über den hinweg die Bilder aufgenommen sind, wurde nicht bebaut,
sondern diente als natürliche Begrenzung der Kolonie. Diese
wichtige Funktion hat er heute auch noch (siehe die Luftaufnahme
am Anfang dieses Kapitels), aber ist durch Bebauungsdruck stark
gefährdet. So ist das Areal links unten im Bild von 1915,
auf dem Kleingärten zu erahnen sind, heute, im Jahr 2003, gerodet
und zur Bebauung mit unpassend hohen Geschäftshäusern
freigegeben gegen den Widerstand des Ortsbeirates. Die oberste
Freifläche, diejenige zwischen Kurhausstraße und Brabanter
Straße, wurde schon vor Jahren zu Bebauungszwecken aus dem
Landschaftsschutz herausgenommen (noch ist aber nichts geschehen).
Der (Ende 2003) scheidende Stadtbaurat Bernd Streitberger sieht
Umweltschutz schließlich auch ganz ehrlich als feindlich an.
Seien wir gespannt auf seinen Nachfolger.
Weitere Panorama-Aufnahmen: siehe auch
»Brabanter Straße«.
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1910: Die Villen an der Druseltalstraße.*13 |
Das Bild von ca. 1910 zeigt nicht Mulang,
sondern Wilhelmshöher Villen an der Druseltalstraße,
aufgenommen in nördlicher Richtung. Links das um 1970 abgerissene
Luisenhaus (siehe »Mulang-Peripherie«), in der
Mitte eine schön erhaltene Villa mit auffälligem Turm.
Zwischen dieser Häuserzeile und der Villenkolonie Mulang, also
vom Standpunkt des Fotografen hinter der abgebildeten Häuserzeile,
wurde in den 30er Jahren das Freibad Wilhelmshöhe gebaut (siehe
das Kapitel »Kurort Wilhelmshöhe«).
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Ausschnitt aus einer Karte von ca. 1900. Viele Straßennamen
der ersten Benennungs-Generation sind noch zu finden.*27 |
Straßennamen
und Hausnummern
Alle Villenkolonie-Häuser hießen bis ca. 1895 nur
»Villen-Colonie xxx« mit einer recht zufällig vergebenen
Zahl die, warum auch immer, zwischen 130 und 150 lag: Die heutige
Schloßteichstr.3 war z.B. »Villen-Colonie 134« (heute
noch auf dem Schlußstein der Tür zu lesen), das Sanatorium
Greveler in der Wigandstr.1 war »Villen-Colonie 134 1/4«.
Nach 1895 bekamen die Straßen der Kolonie
Namen, aber die alten Nummern blieben vorerst: Die heutige Schloßteichstr.3
hieß so z.B. »Parkstraße 134«. Durch diese
Verwirrungen ist es bisher zum Beispiel noch nicht möglich gewesen
herauszukriegen, wo der Regisseur Friedrich Plumpe (= Friedrich Murnau)
seine Kinderjahre verbrachte: wo war die »Rasenallee 143 1/4«?
In den Adreßbüchern von 1894 und 1897 ist dort »Kaufmann
Eduard Plumpe« erwähnt, 1899 befindet sich daselbst die
»Lehranstalt, höhere, der Villen-Colonie«. Die Rasenallee
war die heutige Kurhausstraße, das zumindest ist sicher. Vermutlich
handelte es sich um das 1899 von Wilhelm Schmidt bezogene Haus Kurhausstraße
3. Die Familie Plumpe zog um 1900, also vor dem Wechsel auf die heutigen
Bezeichnungen, aus Mulang in den Kasseler Vorderen Westen (und einige
Jahre später wieder nach Wilhelmshöhe; siehe das Kapitel
»Persönlichkeiten«).
Nach 1904 wurden die Straßen größtenteils
in der heute noch gültigen Weise neu benannt und numeriert. Einige
Straßennamen wurden später noch einmal verändert.
Bei den folgenden Darstellungen der einzelnen Straßen sind zu
Beginn die Namensänderungen aufgeführt. Ansonsten werden
überall die heutigen Straßennamen verwendet. |
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Mulangstraße
Sie liegt in ihrer ganzen Länge im Schloßpark
Wilhelmshöhe und wurde als Park-Chaussee des Bergparks Wilhelmshöhe
schon 1790 angelegt (siehe die Kapitel »Chinesisches Dorf«
und »Probleme«). Wilhelmshöher Allee bis zum Anthoniweg.
Benannt nach dem »Chinesischen Dorf« Mou-lang im Park.
Alle historischen Häuser an der Mulangstraße,
numeriert »Mulang 1« bis »Mulang 10«, beginnend
mit dem »Aufsehers Haus« an der Einmündung in die
Wilhelmshöher Allee, gehören zum historischen Parkdorf
»Mou-lang«. (Wo aber stand »Hotel
und Pension von Eschstruth, Mulang Nr.13, 6 Betten«,
zu finden in Reiseführern der 30er Jahre?)
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Wigandstraße
Gelegentlich auch auf Plänen falsch »Wiegandstraße«.
Mulangstraße bis An den Eichen. Benannt nach Georg Heinrich
Wigand, 18231893, Buchhändler und Verleger in Kassel, Anreger
des Baus des »Pensionshauses Wilhelmshöhe« und der
ersten Straßenbahn Kassels, der Linie 1, die für die Entwicklung
des Kurorts und der Kolonie bedeutsam war (Hier
klicken für eine ausführliche Würdigung Wigands
durch Wolfgang Hermsdorff in seiner HNA-Reihe »Ein Blick zurück«*16).
- Von der Wigandstraße geht eine kleine Stichstraße nach
Osten: »Am Rehsprung«, benannt nach einem Flurnamen.
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Nr.1, ca.1890: Das Sanatorium Dr.Greveler von der Wigandstr.
Erhalten.*7

Ca.1915, Blick von Osten.*13
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Nr.13:
Bald nach dem Bau des Pensionshauses Wilhelmshöhe, der Nr.5,
wurde die Kaltwasser- und Luftheilanstalt Dr. Greveler erbaut.
Das prächtige Gebäude wurde in den 30er Jahren als Eisenbahner-Erholungsheim
von der Reichsbahn erworben und in den 80ern zuerst in die Habichtswaldklinik
und später in die Ayurveda-Klinik integriert, so daß es
bis heute erhalten ist und sogar seiner ursprünglichen Funktion
dient wenn auch die wunderschöne Talseite leider durch
den neuen Bau fast nicht mehr wahrnehmbar ist. Viele Bilder und
Geschichte des Hauses: Siehe »Kurort Wilhelmshöhe«
/ »Dr.Greveler / Bahn-Kurheim / Habichtswald-Klinik«. |

Nr.4, Restaurierung 1976. Erhalten. Bild: HNA. |
Das Haus Nr.4
ist ein sehr schöner früher Villenkolonie-Bau im fachwerkreichen
Landhausstil der ersten Jahre. Es wurde in den 70er Jahren renoviert
und repräsentiert heute im ästhetischen Niemandsland zwischen
Habichtswaldklinik und Burgfeldkrankenhaus tapfer die alte Villenkolonie. |

Nr.3: Pensionshaus Wilhelmshöhe, ca. 1875. Architekt:
Baumeister Wilhelm Koch. Zerstört.*13

Pensionshaus-Werbeblatt von ca. 1895.*13

Das Pensionshaus vom Tal aus, also von Osten, um 1880.*14

Ca.1880: Blick von Südosten. Links hinter dem flachen
Wirtschaftsgebäude die Häuser Burgfeldstraße 3 und
1. Das kleine Fachwerk-Gebäude rechts gehört zur Grevelerschen
Anstalt.*14

Ca.1900: Das Pensionshaus von Westen, vom Park aus. Auf dem
Nebengebäude in der Mitte des Bildes steht: »Pensionshaus
und Restauration Carl Brune«. Das Gebäude links
gehört zur Kuranstalt Dr. Greveler.*3
Blicke aus dem Pensionshaus auf die ersten Häuser der
Villenkolonie, vor allem auf die Burgfeldstraße, finden sich
weiter oben auf der Seite. |
Die Nr.5 war als Hotel unter dem Namen »Pensionshaus
Wilhelmshöhe« im Jahre 1872/73, also noch vor der
Gründung der Villenkolonie, erbaut worden. Im Teil »Panorama-Aufnahmen«
weiter oben kann man sehen, wie das Haus neben der Klinik Dr. Greveler
das Fernbild der Villenkolonie bestimmte, für welche
das Hotel samt dazugehörigen Infrastruktur-Maßnahmen
den entscheidenden Entwicklungsschub gab.
»Bereits 1870 hatte
der rührige Buchhändler G. H. Wigand (s.a. Blick zurück
1414) den Anstoß zur Gründung einer Aktiengesellschaft
gegeben, um ein großes hotelartiges Haus am Rande des Habichtswaldes
zu bauen. Die Gesellschaft kam zustande, viele Kasseler Bürger
zeichneten Anteile bei der Bank der Gebrüder Pfeiffer. Bald
stand das Pensionshaus Wilhelmshöhe fertig da, und am Sonntag,
dem 6. Juli 1873, wurde es feierlich eröffnet. [...]
Einstimmigkeit herrschte bei allen in zwei Dingen: 1. Man hatte
einen glücklichen Griff mit dem Wirt (damals sagte man Restaurateur)
Welle gemacht. Welle war ein guter Ruf als einstiger Wirt des Militärkasinos
vorausgeeilt. 2. Das Pensionshaus benötigte dringend die Verkehrsanbindung
an Kassel durch die Errichtung einer Pferdebahn.
Die ersten originellen Verkehrsmittel zwischen Kassel
und Wilhelmshöhe waren seit 1867 Esel. Diese sogenannten Tragesel
hatten ihre Standorte am Schloßhotel, an der Löwenburg
sowie zwischen Pensionshaus und der 1881 daneben errichteten Kaltwasserheilanstalt
Dr. Grevelers (s. Blick zurück 349). Seit 1877 gab es dann
die schneller Verbindung zwischen Königsplatz und Wilhelmshöhe
mit der Dampf-Trambahn. [Siehe »Wilhelmshöhe«
/ »Endhaltestelle der Linie 1«.]
Man kann nicht leicht einen freundlicheren Aufenthalt
finden, als ihn das jetzt in seinem Inneren vollständig vollendete
Haus darbietet, schrieb am 17. Juli 1873 die Hessische Morgenzeitung
über das nach Plänen des Baumeisters Wilhelm Koch errichtete
Pensionshaus. Die Zimmer waren komfortabel ausgestattet. Ein Doppel-Treppenhaus
verband die vier Etagen. Die große Terrasse bildet ebenso
einen Lieblingsplatz der Gäste wie der auf der Westseite unter
Leitung des Hofgärtners Franz Vetter angelegte Park [auf
dem Gebiet des Parks Wilhelmshöhe; heute sind an Stelle dieses
kleinen Parks die Tennisplätze samt häßlichem Parkplatz],
in dem ein Brunnen plätscherte, der sein Wasser vom Lac bezog.
Allmählich löste sich die Aktiengesellschaft
Pensionshaus von dem Unternehmen. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts
tauchte Carl Brune als Hotelbesitzer auf. [...]
Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Gastronomen Max Haberkorn und
Georg Hafer Eigentümer des Pensionshauses. Bis zum zweiten
Weltkrieg blieb das Restaurant des Pensionshauses auch immer wieder
Ziel von Ex- und Katerbummeln [?] geselliger
Runden wie z.B. Tanzstundenkränzchen. Die Bomben des Kriegs
ließen dann nichts mehr von dem einst so bedeutenden Haus
übrig. Seine Lage muß man sich an der Stelle vorstellen,
an der heute die Häuser Am Rehsprung stehen.«
(Blick zurück 1418).*16

Anzeige in einem Stadtführer von 1897.*13

Pächterwechsel: Anzeige von
ca.1935.*13
|

Ca.1910: Blick vom Grundstück Nr.12 über die Wigandstraße
und die noch offenen Felder.*3

Nr.12. Der erste Bauzustand bzw. Vorgängerbau.*3

Grundstück Nr.12: »Unsere
Pappeln«. Blick nach Osten ins Tal.*3
|
Nr.12 war als
Wirtschafts- und Personalgebäude der Klinik Dr. Greger in Fachwerk
errichtet worden; das Grundstück schloß an dasjenige Burgfeldstr.17
direkt an. Das oberste Bild stammt aus einem alten Prospekt der Klinik
und trägt dort die Legende »Fernsicht
nach Cassel«. Der heutige dunkelrote, modern wirkende
und gut proportionierte Ziegelbau aus den frühen 20er Jahren
ist erhalten. |
Nr.14.
Erhalten.
Nr.16. Nicht erhalten.

Dr.Helmuth Greger auf dem Balkon der Klinik Dr.Greger, Burgfeldstr.17.
Im Hintergrund das Doppelhaus Wigandstr.14/16.*3
|
Nr.14, die rechte
Hälfte eines großen, zweistöckigen Doppelhauses von
etwa 1900. Die Nr.16 ist nicht erhalten; auf dem Grundstück
steht heute der große Nachkriegsbau des »Haus Sonneneck«.

Ausschnitt aus der Postkarte »Panorama
von 1905«, siehe oben bei »Panorama-Aufnahmen«
Vorne im Bild das große Doppelhaus Nr.14 / Nr.16. Ein weiteres
gutes Bild: Siehe »Brabanter Straße.« |
| Nr.17
(Ca. 1910) Erhalten. |
Nr.17: Eine große,
außerordentlich schöne Villa im Stil des späten Jugendstils. |

Ca.1900: Aus dem Photoalbum der Familie Greger: »Wigandstr.12
/ Rehsprung«.*3

Noch ein Bild aus dem Greger-Album. Blick vom Grundstück Wigandstraße 12 in Richtung Norden, links hinten das Haus Wigandstraße 6, ganz hinten in der Mitte das »Pensionshaus«.*3 |
Zwei Aufnahmen aus dem Fotoalbum der Familie
Greger. Den Namen »Rehsprung« hatte das Grundstück
östlich der Wigandstraße neben dem Pensionshaus Wilhelmshöhe.
Heute heißt die kurze Sackgasse so, die von Wigandstraße
auf das ehemalige Gelände des im Krieg zerstörten Pensionshauses
führt, das jetzt mit freundlichen Nachkriegsvillen bebaut ist.
|
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
| |
Burgfeldstraße
Wigandstraße bis Brabanter Straße. Benannt nach
dem Flurnamen des Gebietes, auf dem die Villenkolonie steht. Hieß
um 1895 zunächst für kurze Zeit »Kronprinzenstraße«.
|

Nr.1, das Burgfeld-Café von Otto Reinboth. Aufnahme
von ca. 1915. Nicht erhalten.*13 |
Nr.1 wurde
als Privathaus errichtet, aber alsbald zum »Burgfeld-Café«.1910
hieß es »Café Thon«, 1927 »Café
Böhme« und bot »auch Zimmer und Pension« an.
Es wurde im zweiten Weltkrieg zerstört; das an seiner Stelle
errichtete Haus ist ursprünglich ein Nachkriegsbau, der am 1.
August 1948 wiedereröffnet wurde. 1953 kam eine Bierstube hinzu,
die sehr beliebt war, aber aus behördlichen Gründen 1974
wieder geschlossen werden mußte. Der Kuchen kann in der
guten alten Zeit unmöglich besser gewesen sein als heute unter
der Leitung der Besitzerin Frau Benderoth, die in der Tradition ihres
Vaters steht, von dem das seinerzeit wegweisende Zitat stammt: »Mein
Kuchen soll keine Aromazusätze enthalten und er soll schmecken
wie daheim.«

Anzeige von ca.1935.*13 |

Nr.2 (rechts), Aufnahme von 1950. Erhalten. Links die Nr.4.*6

Postkarte des »Hotel Haus Burgfeld«, ca. 1960 mit
Blick auf das Haus Nr.3.*13
|
Nr.2
ist seit Jahrzehnten als »Haus Burgfeld« bzw. »Burgfeld-Hotel«
bekannt, wird an dieser Stelle sehr empfohlen und ist im ersten Bauzustand
erhalten. Die Abbildung stammt aus der Veröffentlichung »Wohnbauten
der Gewobag Kassel, Ausgabe 1/1952« und muß wohl als Abrißplanung
gelesen werden ... |

Nr.3 war um 1910 ein Töchterheim. Siehe auch das Bild
bei Burgfeldstr.5. Nicht erhalten.*13

Heute steht dort dieses freundliche 50er-(oder 30er?)Jahre-Haus. Siehe
Postkarte bei Nr.2.*13
|
Nr.3 beherbergte
für einige Jahre ein Töchterheim. Der Reichtum, der
in der Generation der Erbauer notwendigerweise noch vorhanden war,
verflüchtigte sich oftmals rasch; Bewohner in zweiter Generation
oder Witwen verdienten sich ihren Unterhalt oft durch Zimmervermietung
oder eben Gründung solcher Heime. Der Bedarf war groß:
Bessergestellte Leute in den Großstädten hatten selbstverständlich
Kindermädchen; wenn die Kinder größer wurden, schickte
man sie in Pensionate, wo sie unter ihresgleichen Schliff erhalten,
vor allem aber den Eltern aus dem Weg sein sollten (wie auch speziell
aus der Ferienregelung ganz am Ende des unten anklickbaren Zitates
deutlich hervorgeht). Mädchen »höherer« Gesellschaftsschichten
mußten nach den damals geltenden Regeln anstrengenderweise unter
ständiger Beobachtung stehen (es hätte ja »etwas passieren«
können), womit die Eltern oft überfordert waren. Der abgebildete
Prospekt des Töchterheims »Haus Freya«
enthält Details voller unfreiwilliger Komik über den Alltag
in einem derartigen Institut. Hier
klicken für ein Fenster mit Textauszügen aus dem Prospekt
und weiteren Hinweisen auf Töchterheime. |

Vorne Burgfeldstr.4,
rechts Nr.2.
Links Schloßteichstr.1.
Alle erhalten.*14
|
Nr.4 ist das
herausragende Beispiel des Cottage-Stils der Gründer- und Gründungszeit
in Mulang. Es wurde in den allerersten Jahren der Kolonie erbaut,
also um 1885; die Architektur wird dem Koloniegründer Schmidtmann
höchstselbst zugeschrieben. Das nebenstehende Bild aus der Murhardschen
Bibliothek enthält die Namensaufschrift »Engelhard«,
wohl ein Hinweis auf die ersten Besitzer. Ein Fremdenführer von
ca. 1905 nennt das Haus »Fremdenpension Villa Nitsch«.
Man erstarre: Dieses wunderbare Haus wäre in den tollwütigen
70er Jahren um ein Haar abgerissen worden. Der Fast-Abriß und
die daraufhin endlich erfolgte Aufnahme des sehr schönen, weitgehend
unveränderten Hauses sowie vieler weitere Mulang-Villen ins Denkmalbuch
sowie der (keineswegs ausreichende) »Ensemble-Schutz«
der heutigen Villenkolonie ist (demnächst) im Kapitel »Denkmalschutz«
dokumentiert. |

Nr.1 (rechts) Nicht erhalten.
Nr.3 (Mitte) Nicht erhalten.
Nr.5 (links) Erhalten.*1
|
Nr.5: Gewiß
ein Bau von Heinrich Schmidtmann. Erhalten. |

Nr.6 (links) Erhalten.
Nr.17 (rechts): Klinik Dr.Greger. Nicht erhalten.*13
|
Die Nr.6, erbaut
als Privatvilla, gehörte für kurze Zeit als »Villa
Luise«, offenbar benannt nach Luise Greger (siehe Persönlichkeiten)
zum Imperium der Kurarzt-Familie Greger. Das Haus ist uns ausgesprochen
schön auf seinem großzügigen Originalgrundstück
erhalten geblieben. |

Burgfeldstr. 7 (ganz links). Foto von ca. 1882. Blick aus dem
Pensionhaus (Wigandstr. 5). Erhalten.*12
|
Nr.7, war die
»Villa Meinberg«. Das Adreßbuch von 1894 nennt unter
der damaligen Adresse »Villen-Colonie 132 3/4« Friederike
Meinberg, Witwe, als Bewohnerin. Das von 1897 fügt hinzu: »Wwe.
des Hofgärtners«. ab etwa 1899 war das Haus für viele
Jahre unter Führung Frau Meinbergs eine Privatpension. |

Burgfeldstraße 8: Die Schmidtmann-Villa um 1885. Erhalten.*12

Burgfeldstraße 8 um 1895.*12 |
Nr.8: Gegenüber
den ersten Häusern baute der Koloniegründer Heinrich Schmidtmann
seine eigene Villa. Dieses prunkvolle Haus war mit einem turmartigen
Dachaufsatz versehen. Diesen hat es im zweiten Weltkrieg leider eingebüßt,
ist aber ansonsten samt Sandsteinfiguren in den Wandnischen erhalten
geblieben.
Das obere Bild, aufgenommen ca. 1885 von der Burgfeldstraße
11 her, also von Osten, zeigt links hinten die Schloßteichstr.7,
rechts hinten die Schloßteichstr.1. Vor dem Haus steht
Wilhelm Schmidtmann, auf dem halbrunden Balkon offenbar weibliche
Angehörige.
Das untere Bild ist etwa 10 Jahre später aufgenommen worden,
ebenfalls aus dem Haus Nr.11. Die Schloßteichstr.7 ist hinter
den Bäumen links schon fast verschwunden. Rechts sieht man die
Schloßteichstr.3 im zweiten Bauzustand. Heinrich Schmidtmann
und seine Frau stehen vorn im großzügigen Garten. Diese
südliche Seite des Grundstücks wurde nach dem Krieg abgetrennt
und mit einer freundlichen 50er-Jahre-Villa bebaut. |

Nr.10 (links) um 1895, von der Burgfeldstraße aus. Blick
in Richtung Norden. Im Hintergrund der Turm der Schmidtmann-Villa,
Nr.8. Erhalten.*3

Nr.10 um 1900. In der Vergrößerung dieses Bildes,
das von der Nr.17 aus aufgenommen wurde, sieht man links die Lindenstr.1,
dann den spitzen Turm der Lindenstr.2. Rechts von der Nr.10 die Schloßteichstr.5,
ganz rechts Burgfeldstr.8 mit Dach-Turm.*3
|
Nr.10 ist ein bis heute recht gut erhaltener
hübscher Gründerzeit-Ziegelkasten, der Anfang 2004 den
Besitzer gewechselt hat und nun nicht mehr zum Burgfeld-Krankenhaus
gehört, das sich ja in Auflösung befindet. Dem Haus sei
eine schöne Zukunft gewünscht. Die Aufnahmen stammen
aus dem Fotoalbum der Familie Greger, die seit der Gründung
der Kolonie bis heute in Mulang ansässig ist. Siehe auch das
Bild bei Nr.12.

»Grundstücksgrenze Küperweg
nach Norden«. Foto aus dem Privatalbum der Familie Greger,
ca. 1900. Damals gehörte das ganze Karree zwischen Wigandstraße,
Küperweg, Burgfeldstraße und Brabanter Straße der
Familie und zum Sanatorium Greger. Siehe »Kurort Wilhelmshöhe«.
|

Ca.1915: Nr.7, Nr.9, Nr.11. Alle erhalten.*14
|
Nr.7 war eine
der ersten vier verkäuflichen Villen. Siehe auch das Bild weiter
oben bei der Kolonie-Gründung. Das Haus ist sehr schön erhalten.
Nr.9 war im Adreßbuch von 1894 die »Villa Sanssouci«
der Witwe Amalie Rothstein, ebenso 1897. 1899 und in den folgenden
Jahren steht sie als »Pensionsvorsteherin« im Adreßbuch.
Das Haus ist im ersten Bauzustand perfekt erhalten.
|
|

Nr.11, ca.1955 (links). Beim Daraufklicken öffnet sich
das Bild der ganzen Mehrbild-Karte des Burgfeld-Krankenhauses.*13

Ca. 1955: Noch eine Mehrbildkarte des Burgfeld-Krankenhauses.*13
|
Die Nr.11
ist vom Burgfeldkrankenhaus heute
unschön integriert, aber immerhin teilerhalten. Das Haus war
um 1905 laut einem Fremdenführer die »Villa
Viktoria: Frau Utemann, Burgfeldstrasse
11 (auch im Winter geöffnet)«,
nach dem Adreßbuch von 1916 gehörte es immer noch »Utermann
[sic], Löwenburgstr. 10« und war bewohnt von »v.
Normann, Vorsteherin, Töchterstudienheim«, der Lehrerin
Fuchs und der Gewerbeschullehrerin Pfieffer. Das »Burgfeld-Krankenhaus
des Diakonie-Gesundheitszentrums Kassel« ist leider nicht
mehr der recht freundliche 50er-Jahre-Bau, der auf der Karte detailliert
zu sehen ist: An seine Stelle wurde in den zerstörungsfrohen,
ja schier tobsüchtigen 70er Jahren ein wahres Monstrum gesetzt,
einer der störendsten Bauten in Mulang, der auch von Architekturführern
nur kopfschüttelnd erwähnt wird. (Diese zugegeben harten
Worte beziehen sich natürlich keineswegs auf die Arbeit, die
dort geleistet wird und die zweifellos hervorragend und höchst
heilsam ist.) |

Ca.1910: Nr.10 und 12. (Beide erhalten). Zwischen den Häusern
führt der Küperweg nach links oben, also nach Westen in
Richtung Schloßteichstraße.*3

Die gleiche Blickrichtung wie auf dem vorigen Bild. Handschriftlichter
Vermerk: »Frl.Frank, genannt das Fremkeei«.*3

Blick vom Balkon der Nr.17 auf die Nr.12, ca. 1914.*3
|
Nr.10, links.
Nr.12, rechts, ein ausgesprochen schönes Werkbund-Haus
von etwa 1912. Die eklektizistische Cottage- und Türmchen-Gründerzeit,
auch ihre etwas jüngere, weniger verspielte neoklassizistische
Variante und der nachfolgende Jugendstil waren vorbei. Das Haus, das
um 2000 schön restauriert wurde, ist eines der Beispiele dafür,
daß Stilwandlungen kein Problem für Villenkolonien waren
und sind, wenn auf hohem Niveau gebaut wird.
Zwischen den beiden Häusern führt der Küperweg
nach oben zur Schloßteichstraße.
Das zweite Bild, das wie das obere aus dem unschätzbaren
Album der Familie Greger stammt, zeigt Klinikpersonal der Klinik Dr.Greger,
das dritte wohl die Frau von Dr. Helmuth Greger auf dem Balkon (nach
Vergrößerung durch Anklicken; hier nur der Bildausschnitt
mit der Nr.12). |
| Nr.13 |
Im ergiebigen »Führer
durch Kassel und Wilhelmshöhe, herausgegeben vom Stadtverkehrsamt
Kassel · Rathaus« von ca. 1930 wird das nichter
erhaltene Haus Nr.13, an dessen Stelle heute das Burgfeld-Krankenhaus
steht, unter der Rubrik »Töchterpensionate«
als »Haus Tücking« geführt. Hier
klicken für ein Fenster mit Textauszügen des Prospektes
vom Töchterheim »Haus Freya« in der Burgfeldstr.3. |
|
Nr.15, links hinten, Ende der 30er Jahre. Ganz links der Giebel
von Nr.10, rechts die große Nr.17.*3
|
Nr.15: Eine der
Villen im typischen schlichten 30er-Jahre-Stil. Das Haus ist, wie
zahlreiche 30er-Jahre-Villen, in den 90er Jahren stark umgebaut worden.
Wenn man 30er-Jahre-Häuser mit Um- und Anbauten traktiert, verändert
man ihren Charakter meist sehr, da einfache Formen für sie eben
so typisch sind. Besitzer und Denkmalschutz wissen die Charakteristika
dieser Häuser oft nicht genug zu würdigen. Siehe Nr. 18. |
| Nr.16 |
Die Nr.16, eine
sehr hübsche Jugendstilvilla, wird im Fremdenführer »7
Tage Kassel« von 1970 erwähnt als »Haus
Schake, Exklusiv-Hotel garni am Park Wilhelmshöhe, Burgfeldstraße
16 [...] 10
Exklusiv-Zimmer mit eigenem Bad, WC, Fernseher, Musikbox und Telefon«.
Später wurde es zum geschätzten »Hotel garni Im
Rosengarten«; heute (Ende 2003) steht es seit etwa einem
Jahr leer; eines der gefürchteten Investoren-Schilder wirbt für
einen Erweiterungsbau mittlerer Häßlichkeit für die
üblichen »exklusiven« Eigentumswohnungen. Könnte
bitte die Verwendung des Wortes »exklusiv« mal etwas zurückgehen?
Das Wort bedeutet bekanntlich »ausschließend«. Jede
Wohnung in Deutschland ist nach Artikel 13 der Grundrechte exklusiv.
Der Gebrauch des Wortes meint offenbar »etwas, das sich jeder,
der viel Geld & wenig Geschmack hat, kaufen kann«. |

Nr.17 (ca.1900). Nicht erhalten.*3

Nr.17, erbaut ca.1950, Postkarte von ca.1975.*13 |
Nr.17
war die Klinik Dr. Greger. Das ursprüngliche Gebäude,
errichtet um 1895 von Dr. Ludwig Greger, wurde 1923/24 von seinem
Sohn, ebenfalls Kurarzt, stark erweitert: Bei den Bildern der Brabanter
Straße sieht man das große Dach des ausgebauten Hauses
auf zwei Panorama-Aufnahmen recht deutlich.
Die Klinik Dr.Greger wurde im zweiten Weltkrieg zerstört.
Heute steht an ihrer Stelle ein in den 50er Jahren errichtetes freundliches
Haus, erst »Fachklinik für Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
Dr. Möller«, dann Ferienkurheim, heute Altersheim. Zahlreiche
weitere Bilder des alten Gebäudes im Kapitel »Kurort Wilhelmshöhe«.
Das Haus Wigandstr.12 war das zu dieser Klinik
gehörige Wirtschafts- und Wohngebäude; es hat überlebt.
|
|
Nr.18 |
Nr.18,
ein fein proportioniertes Beispiel für Mulang-Villenbau der 30er
Jahre an der Ecke Burgfeldstraße / Brabanter Straße, ist
offenbar in besonders guten Händen. Der Putz und auch die so
wichtigen typischen quer geteilten Fenster zeigen das ursprüngliche
Bild. |

Nr.19, ca.1910. Erhalten.*3 |
Die Nr.19,
das Haus mit dem Türmchen, ist sehr schön erhalten. Das
Bild zeigt einen Blick auf die drei letzten Häuser der Burgfeldstraße
in Richtung Brabanter Straße, also in Richtung Süden. Im
Vordergrund die Klinik Dr. Greger, die Nr. 17. |

Nr.21, Ecke Burgfeldstraße / Brabanter Straße. Erhalten.
Postkarte von ca.1910.*13 |
Die Nr.21 ist
auch auf dem oberen Foto, auf den Panoramabildern bei der »Brabanter
Straße« und auf dem Bild beim Haus Burgfeldstr.5 zu sehen. Das
lustig geformte, vielgestaltige und ländlich wirkenden Haus mit
kleinem Türmchen ist schön erhalten. Da es am Drusel-Grünzug
liegt, ist es für die Wahrnehmung des Villenkolonie-Charakters
sehr wichtig. Die abgebildete Postkarte zeigt auch die Bedeutung des
Grünzugs für den Blick auf Park und Herkules. |
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|

Ca. 1895: Burgfeldstraße und Schloßteichstraße,
vom Pensionshaus Wilhelmshöhe in der Wigandstr.5 aus gesehen.*14 |
Burgfeldstraße und Schloßteichstraße
um 1895.
Im Vordergrund »die ersten verkäuflichen Villen«
der Kolonie, die vordere Reihe der Burgfeldstraße. Dahinter
von rechts die Burgfeldstr.2, das heutige Burgfeld-Hotel,
daneben die Nr.4 mit dem auffälligen Dachtürmchen.
Ganz hinten rechts die Schloßteichstr.1; neben dem
Dachreiter der Burgfeldstr.4 sieht man den kleinen Turm und die
Säulenterrasse der später stark umgebauten Schloßteichstr.3.
Bis auf das kleine Haus links oben (Schloßteichstr.7,
in den 70er Jahren abgerissen) und das Haus ganz rechts unten (Burgfeldstr.1)
stehen alle Häuser noch; kurz nach Aufnahme des Bildes sind
die Häuser Burgfeldstr.6, 8 und Schloßteichstraße
5 hinzugekommen, die ebenfalls noch stehen.
|
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
| |
Schloßteichstraße
Mulangstraße bis Brabanter Straße. Benannt nach dem
»Lac«, dem Schloßteich, auf den sie zuläuft.
Hieß um 1905 zunächst für kurze Zeit »Parkstraße«.
|
| Der Mulang-Friedhof |
Der Mulang-Friedhof
liegt auf der vom Park her gesehen rechten Seite der Straße,
gegenüber dem Haus Nummer 3. Zu ihm Näheres im Kapitel »Das
Chinesische Dorf«, Unterkapitel: »Mou-lang
und seine Gebäude heute«. |

Nr.1, ca.1890, von Süden.*12

Ca.1895: Nr.1 als »Hotel & Restaurant: Kronprinzen,
Wilhelm Dilg.« Rechts dahinter das Türmchen der Nr.3,
links im Bild die Häuser Burgfeldstr.2 und 4. Alle diese
Häuser stehen noch.*7

Ca.1900: Nr.1 als »Hotel Laspe«, wie das obere
Bild von Norden her aufgenommen.*13


Zwei Bilder von der Südseite des Hauses, um 1968.*13

Nr.1 im Umbau und Nr.3, ca.1970. Die häßliche, unpassende
Garagenfront zwischen Nr. 3 und Nr.4 wurde gebaut. Dazwischen die
Burgfeldstr.4, damals in sehr schlechtem Zustand und ohne Dach-Türmchen.*13
|
Die Nr.1 war im ersten Bauzustand,
den man auf dem alten Plan sieht (rechts: Norden) ein ganz kleines
Gebäude. Das erste Bild links zeigt, wenn man das Bild mit
dem Grundriß vergleicht, wohl den schon etwas vergrößerten
zweiten Bauzustand.

Lageplan von 1913.
(Oben: Westen). Rechts, mit dem Besitzvermerk »Dilg«,
die Schloßteichstraße 1. Die grünen Linien zeigen
die Grenze des Schloßparks Wilhelmshöhe. Deutlich zu
sehen der ursprünglich kleine Grundriß der Nr.1 (das
Haus wurde längst vor 1913 erweitert; der Plan war nicht aktuell).*13
Das Haus, das als Privathaus errichtet worden war, wurde wohl um
1895 zur jetzigen Größe ausgebaut und als Hotel und Restaurant
benutzt, zuerst als »Kronprinz« unter Wilhelm Dilg,
dann als »Hotel Laspe«: tief unter dem Souterrain des
neueren Teils liegt auch heute noch der gewölbeartige Wein-
und Bierkeller. Das Haus wurde um 1970 recht verdorben: Fenster
wurden verengt, Glasbausteine eingesetzt und die gelbliche Klinkerfassade
weiß angestrichen.
Aber die Substanz dieses zum Kern
der Villenkolonie zählenden Hauses ist intakt. Dieses
einst prächtige, durchaus wiederherstellbare Haus, dessen Grundstück
an zwei Seiten an den Park, das künftige UNESCO-Welterbe
grenzt und das zum inneren Kern der frühesten Villenkolonie-Schicht
gehört, muß erhalten bleiben.
|

Ca.1885 (Bildmitte). Der hier zu erkennende Erstbau ist
im heutigen Bau immer noch vollständig erhalten.*22

Ca.1890 in der Bildmitte, hinter dem Fachwerkhaus (Burgfeldstr.7).*14

Nr.3, 1910 (rechts im Hintergrund, das Haus im Vordergrund
ist Burgfeldstr.6)*13

Nr.5, das »Viktoriaheim«. Im Hintergrund Nr.3
im zweiten Bauzustand.*13

1965. Gleiche Perspektive wie im vorigen Bild. Der Turm ist
niedriger und kaum mehr zu erkennen, das Haus höher (Hier
klicken für eine ältere Variante in s/w).*13

Dora (rechts) und Albert Feyll, nach 1956 stolze Besitzer des Hauses,
mit ihrer Schwiegertochter Anne und zwei Enkelinnen 1960.*13

1968: Die Schloßteichstraße mit Blick auf den Park.
Rechts zu erahnen die Nr.7.*13

1930-2000 (Gartenseite, links eine Ecke von Nr.5).*13
|
Die Schloßteichstraße Nr.3
ist das wohl meistumgebaute Haus der Villenkolonie.
Die Bilder von ca. 1885 und 1890 zeigen das Haus im
ersten Bauzustand. Man erkennt ein Türmchen
und eine Terrasse, die von Säulen umstanden ist. Das Haus bestand
aus einem einzigen, etwa 40qm großen, 4m hohen Raum mit prächtigem
Fenster zum Park, einer Säulenterrasse zur Hangseite und einem
Zier-Turm, dessen oberer Teil entweder gar nicht oder über
eine ganz schmale Treppe erreichbar war und das talseitig kein Fenster
hatte. Im Untergeschoß (zum Garten ebenerdig) gab es eine
Küche, deren Kacheln zum Teil erhalten sind. Das Haus kann
nicht zu Wohnzwecken erbaut worden sein, sondern diente wohl als
Wochenendhaus.
Nach einem Besitzerwechsel um 1900 wurde das
Haus zu einem Wohnhaus umgebaut. Der Turm wurde um ein Stockwerk
erhöht und diente fortan als Treppenhaus. Die Terrasse wurde
zugemauert und bildete zwei schmale Räume; im Obergeschoß
gab es zwei bis drei recht niedrige Zimmerchen. Von diesem Zustand
war bisher nur eine Photographie zu finden, etwa aus dem Jahr 1910.
Das Bild zeigt eigentlich die »Villa Luise«, die Burgfeldstr.6,
die damals Dr.Greger gehörte. Im Hintergrund erkennt man die
nicht sehr geschickt aufgestockte Schloßteichstr.3
Auch auf der Postkarte, die eigentlich das »Viktoriaheim«
Schloßteichstr.5 zeigt, erkennt man die Nr.3 im zweiten Bauzustand.
Der Turm ist erhöht, die unteren Fenster sind wegen der neuen
Treppe in den ersten Stock Blindfenster.
In den 20er Jahren wurde das Haus ein weiteres
Mal deutlich erweitert, und zwar in dem Maße, wie das auf
dem Bild von 1965 zu sehen ist nur, daß dieses
Bild den höheren Turm des vorigen Bildes nicht mehr zeigt,
der bei einem Dachbrand im Krieg zerstört und nach dem Krieg
nicht wieder aufgebaut wurde. Man sieht aber auf dem neueren Bild
deutlich, daß das Haus um ein halbes Stockwerk erhöht
wurde (die Klinker enden einen Meter unter dem Dach). Außerdem
wurde das Haus zum Garten hin um eine halbe Raumtiefe vergrößert,
wodurch mit beträchtlichem Aufwand ein weiterer repräsentativer
Raum geschaffen wurde. Schon in den 30er Jahren entsprach diese
Raumaufteilung nicht mehr dem Wohngefühl der Besitzer, die
Decken in der 4m hohen Haupt-Etage wurden, wo nur möglich,
um bis zu 1,50m abgehängt.
Das Bild von 1999 zeigt das Patchwork der letzten drei
Umbauten, also den Zustand, in dem das Haus von etwa 1935 bis 2000
war: die große gelbe Klinkerwand, wo einmal die Terrasse war,
die braunrote Putzfläche unter dem Dach, wo das Haus um ein
halbes Stockwerk erhöht wurde, und die weiße Putzfläche
samt Fachwerk unter dem Flachdach-Stückchen, wo die Terrasse
in den 30er Jahren zugebaut worden war.
2001 wurde das Dach auf der Talseite »hochgeklappt«
und zur Wohnung ausgebaut (Architekten: Christoph Harney und Jutta
Tuschick). Diese Baumaßnahme geschah in enger Absprache mit
dem Denkmalschutz, der der Einschätzung zustimmte, daß
gerade das Typische an diesem Haus ist, daß es ständig
erweitert wurde. Die Ausbaupläne wurden dem Denkmalschutz ausdrücklich
mit einem freundlich formulierten umfänglichen Veto-Recht inklusive
Komplett-Ablehnung vorgelegt.
Nachtrag 2006:
Betreff: Tag der Architektur 2006 - Ergebnis des Auswahlgremiums
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir freuen uns, dass das von Ihnen eingereichte Objekt „Haus Schlossteichstrasse“ (1140183480) in 34131 Kassel für die Teilnahme am „Tag der Architektur 2006“ am 25. und 26. Juni 2006 ausgewählt wurde und gratulieren Ihnen hierzu herzlich. Mit freundlichen Grüßen, Ihr TdA-Team
Animation der Ausbaustufen *13
Gartenseite (obere Linie: Straßenniveau)
1. Einraum-Haus mit Säulenterrasse (18801900)
2. 1 1/2 Geschosse, erhöhter Turm (1900-1920)
3. Zwei Geschosse, Terrassenecke (1920-1935)
4. Terrasse geschlossen, Fachwerk-Ecke (1935)
5. Turm 1945 nicht erneuert, 1999 Dachausbau.

Straßenseite:
1. Kleines Einraum-Haus mit Turm (18801900)
2. 1 1/2 Geschosse, erhöhter Turm (1900-1920)
3. Zwei Voll-Geschosse (1920-1945)
4. Turm 1945 nicht erneuert
5. 1999 Dachausbau (diese Seite unverändert)
|
| Nr.4 (Erhalten).
Bilder sind ausfindig gemacht und kommen nach. |
Das Haus Schloßteichstraße
4 ist ein Bau von Fritz Catta und Otto Groth,
dem bedeutenden Kasseler Architekturbüro. Einige weitere
Werke dieses Büros in Kassel: Wohnhaus Hellmut-von-Gerlach-Straße
29 (hier
der Eintrag im Architekturführer der Universität Kassel),
Fasanenhofschule (hier
der Eintrag im Architekturführer), Wohnanlage Carolinenstraße,
Schlagd, Aschrott-Wohlfahrtshaus.*10
Der Garten des Hauses wurde gleich von Anfang an vom
hervorragenden Gartenarchitekten Henry Maasz geplant und
angelegt. Maasz wird als Schöpfer des Begriffs »Wohngarten«
bezeichnet; über ihn ist unter anderem das Buch »Henry
Maasz, Gartenarchitekt, Gartenschriftsteller, Gartenpoet«
erschienen.
Haus und Garten sind in perfektem Originalzustand
erhalten.
Das Grundstück des Hauses wurde vom sehr großen
Garten der Villa Mummy, Kurhausstr.13, abgeschnitten, bevor oder
während diese Villa zum Kur- und Badehaus umgebaut wurde.
Das Haus ist ein treffliches Beispiel dafür, wie
eine Villenkolonie sich weiterentwickeln kann und stilistisch der
Gründungsphase völlig fremde Bauten sich einfügen
wenn nur das Bauen auf hohem Niveau stattfindet. Ein
Beispiel aus unserer Zeit ist die vom Kasseler Büro Bieling
& Bieling erbaute Villa in der Brabanter Straße 29.
|

Nr.5. »Viktoria-Heim«. Perfekt erhalten.*13
Zweimal Nr.5, ca. 1910: »Viktoriaheim
Haushaltungsschule, Cassel-Wilhelmshöhe«.*13


|
Die Nr.5 ist
ein Schmidtmann-Bau, von dem sich sogar Planzeichnungen erhalten
haben (hoffentlich demnächst hier zu sehen). Es wurde um 1895
nicht als typische Villa, also als Einfamilienhaus errichtet, sondern
als Offiziers-Pensionshaus für drei Familien. In den 10er Jahren
wurde es zum »Viktoria-Heim«, einem Töchterheim und
Hauswirtschaftsschule, zu der auch vorübergehend die Nr.3 gehörte.
Jahre nach dem Krieg wurde es Altersheim der Kasseler Diakonie, wozu
es teilweise bis heute (2003) und hoffentlich noch lange dient.
Nachtrag 2005: Den drei Diakonissen, die Anfang 2005 noch in der Schloßteichstraße 5 wohnten, wurde gekündigt. Das Haus steht zum Verkauf. Mögen Liebhaber sich finden, die den Charme dieses besonderen Hauses zu würdigen wissen. |
|
Nr.6 (Bild ist schon ausfindig gemacht und kommt bald
nach.) Erhalten. |
Nr.6, ein Haus,
das gleichzeitig mit Nr.4 errichtet wurde. Ein schön proportioniertes
Haus im schlichten Villenstil der 30er Jahre. Der riesige Rundbrunnen
der Villa Mummy, von dessen Grundstück auch diese Villa ein großes
Stück abzwackte, steht heute noch im Garten und unter Denkmalschutz.
Im Gegensatz zu Nr.4, wo der prächtige 4 Meter hohe Zaun der
Villa Mummy zugunsten eines passenden niedrigen Zaunes abgetragen
wurde, steht das Haus Nr.6 lustig hinter dem inzwischen denkmalgeschützten
Gründerzeitzaun und teilt sich dessen prächtige Einfahrt
(zwischen den beiden Toren das Monogramm von Mummy) mit dem ganz erstaunlich
häßlichen neu errichteten Nebenhaus, Schloßteichstr.8,
das um 1999 auf ein bis dahin freies Grundstück gestellt wurde.
Um 2000 wurde an das Haus
Nr.6 ein moderner Anbau gesetzt, Architekt: Berthold Penkhues. |

Nr.7 von der Gartenseite her. Rechts die Burgfeldstr.8. Ca. 1905.
Nicht erhalten. (Siehe auch oben die Aufnahme von Burgfeld- und Schloßteichstraße.)*12

1965. Blick aus der Einmündung der Lindenstraße
in die Schloßteichstraße. Ganz rechts im Schatten die
Nr.7 wenige Jahre vor ihrem schändlichen Abriß, dahinter
das mächtige Dach der Nr.5 und schließlich die Nr.3.*13
|
Die Nr.7 war
ein kleines Fachwerk-Landhaus im Frühstil der Kolonie. Erst in
den 70er Jahren wurde es abgerissen. 30 Jahre später wurde das
Grundstück wieder bebaut – mit einem Fertighaus, das alsbald den Besitzer wechselte. Wir begrüßen die neuen Nachbarn herzlich, müssen das Haus aber als Beispiel dafür bezeichnen, daß die Villenkolonie eine Gestaltungssatzung benötigt. |

Nr.10, ca.1940. Nicht erhalten.*12 |
Nr.10.
Ausschnitt aus einer Luftaufnahme von ca.1940. Die ganze Aufnahme
ist im Teil »Brabanter Straße« zu sehen. Das Haus
vorne links steht in der Brabanter Straße die Schloßteichstraße
läuft hinten im Bild quer, wir blicken also auf die Rückseite
dieses großartigen Gründerzeithauses, von dem dies die
einzige bisher auffindbare Aufnahme ist. Es ist im Krieg zerstört
worden. Das Haus links, ein freundliches 30er-Jahre-Haus, ist zur
Zeit [2003] zum Abriß freigegeben. Ein Investoren-Schild zeigt
schon die »Villa am Schloßpark«, ein groteskes,
abstoßend-prahlerisches, geschmackloses Gebilde, das stattdessen
dort errichtet werden soll. (Nachtrag April 2005: Das Haus wurde abgerissen.) |

Nr.13. Erhalten. |
Nr.13. Bisher
konnte nur dieses alte Bild dieses Hauses aufgetrieben werden. Es
stammt von 1936 und zeigt das freundliche Äußere dieses
recht gut erhaltenen, mächtigen Hauses, bei dem leider um 1995
weite Teile des Gartens für kaum benutzte Auto-Stellflächen
geopfert wurden. |

Nr.15. Erhalten.*13
(Ein anderes historisches Foto war noch nicht aufzutreiben. Das sich
beim Klicken auf das kleine Bild öffnende große Bild ist
sehr groß, Warnung.) |
Nr.15: Ein sehr reizvolles Haus von 1892 mit Treppengiebeln.
Es ist wundervoll, daß sich dieses Haus in prunkhafter Bescheidenheit
in großem Garten mit alten Strukturen bis heute erhalten hat
und in guten Händen ist. Zur Geschichte des Hauses finden sich
im Juli 1997 zwei Beiträge in der HNA:
»[1908 erwirbt
Lina Schäfer, geboren 1858, ledige und kinderlose Lehrerin
und Erzieherin] die 1892 erbaute Villa
in der Schloßteichstraße 15 [...].
Wie lange Lina Schäfer sich dann in Kassel aufhält, ist
unklar. Als die Polizei im Jahr 1906 nach ihr aus noch ungeklärten
Gründen sucht, findet sie ein leeres Haus vor. Irgendwann lernt
sie offenbar Prinzessin Katharina Duleep-Singh kennen und tritt
in ihre Dienste. Später, wir sind mittlerweile im Jahr 1925
angelangt, gewährt sie eben dieser Prinzessin in ihrem Haus
im ersten Stock Unterkunft. [...]
Bis 1938 ist sie im Besitz der Villa [...].«
»Sie starb
am 26. August 1938 in ihrem Haus in der Schloßteichstraße
15 in Kassel-Wilhelmshöhe im Alter von 79 Jahren. [...]
Bis zum Tod wurde Lina Schäfer von ihrem einstigen
Zögling Catherina Duleep-Singh gepflegt. Dies hatte ihr die
Enkelin eines indischen Maharadschas versprochen. Und über
den Tod hinaus sollte die eigenartige, unverbrüchliche Freundschaft
gelten. Prinzessin Catherina Duleep-Singh, Alleinerbin der Schäferschen
Villa, vermerkte in ihrem Testament, daß ihre Asche zur Hälfte
Lina Schäfers Grab im Hauptfriedhof beigegeben werde. Die andere
Hälfte sollte in den Ganges gestreut werden. [...]
Fern ihrer Heimat lebte die Prinzessin in dem Haus
immerhin 22 Jahre lang zurückgezogen und für ihre Verhältnisse
bescheiden. Nur eines hätte sie Zeit ihres Lebens geschmerzt:
Die Engländer beschlagnahmten einen kostbaren Edelstein aus
der Krone ihres Großvaters und setzten ihn in die englische
Königskrone. [...]
Lina Schäfer, Tochter des Zahnarztes Dr. Schäfer, war
schon 1885 nach England ausgereist. Dort muß sie in die Dienste
des indischen Maharadschas getreten und mit der Obhut der 1871 in
London geborenen Catherina betraut worden sein. 1893 reist Lina
Schäfer in die Schweiz und 1900 nach Kassel, wo sie die Villa
am Mulang erwirbt.
Jahre später bezieht sie aber erst das Haus zusammen
mit der Prinzessin. »Wir sind zwei kleine Mäuschen und
wohnen in einem kleinen Häuschen« hätte sie schalkhaft
oft über ihre Wohnsituation gesagt. »Wunderschön
war das Haus eingerichtet, mit Chippendale-Möbeln und prachtvollen
Tapeten, schwärmt [die frühere
Nachbarin] Christina Twelker.
Das Schönste aber sei der Garten gewesen. Ein Blumenmeer
hätte die Prinzessin um das Haus herum angelegt. Sie nimmt
sich zwar der Gartenarbeit an, doch unter ihrer Würde ist es,
Essen zu kochen. Deshalb pflegt das ungleiche Paar mittags in die
nahegelegene Fremdenpension Blankenburg zu gehen, um dort zu speisen.
Nach dem Tod ihrer Freundin erbt die Prinzessin die
Villa. Doch als Ausländerin werden für sie die Lebensumstände
durch den Nationalsozialismus immer schwieriger. Ihr Nachbar, der
Wirtschaftsprüfer Dr. Fritz Ratig, warnt sie vor dem bevorstehenden
Ausbruch des Krieges und rät ihr auszureisen. Im November 1937
verkauft die Prinzessin ihr Kasseler Hab und Gut und flieht über
die Schweiz nach England.
Dort, in der Nähe von London, verfügte ihre
Familie über Besitztümer. Über ihre Nachkommen ist
allerdings auch bei der indischen Botschaft in London nichts bekannt
[...].«
|
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
| |
Küperweg
Schloßteichstraße bis über Wigandstraße,
ursprünglich nach oben hin geplant bis Kurhausstraße.
Hieß bis ca.1920 auch »Sommerweg«. Benannt nach
Otto Philipp Küper, 16921770, Kupferschmied. Im
Küpwerweg stehen keine historischen Häuser.
|
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
| |
Siebertweg
Mulangstraße bis Kurhausstraße. Hieß zunächst
Hermann(s)weg, dann bis ca.1905 »Juliusweg«. Nach Julius
Siebert, 18291896, Kaufmann und Stadtrat.

Siebertweg 1913
(senkrechte Straße; die Stichstraße nach rechts wird allgemein
»kleiner Siebertweg« genannt): Nr.2: Wilhelm Ichon, Consul
a.D.; Nr.4: Schultheis, Nr.6: Sust alle erhalten. Kurhausstraße:
Gustav Henkel; Susanne Enke, Wwe. des Rechnungsrathes; Wilhelm Schmidt;
Louis Hochapfel: alle erhalten. Siehe auch die Luftaufnahme
unter »Kurhausstraße«.*13
|
|

Nr.1, 1870.*6

Nr.1, 1890.*5

Nr.1, 1930.*4

Nr.1, 1930.*4

Carl Siebert, 1930.*4

Nr.1, 1930.*4
|
Das Haus Nr.1 wurde von Julius
Siebert etwa 1865 erbaut, also noch vor der Gründung der
Villenkolonie. Da Heinrich Schmidtmann mit Julius Siebert befreundet
war (siehe den Schmidtmann-Text zur Gründung der Kolonie
oben), mag ihm bei Besuchen der Gedanke, sich selbst in der Nähe
anzusiedeln, gekommen sein. Das Haus behauptete lange seine Sonderstellung,
die sich auch im Namen »Waldhaus« ausdrückt:
die Lage an der Grenze zum Park und das bis in die 20er Jahre
hinein auf sehr große Grundstück. Von diesem wurden
immer wieder Teile verkauft, wobei das Haus zunehmend mit der
Villenkolonie verwuchs. Das Haus, das heute an der Stelle des
Siebert-Landhauses steht, enthält nach Umbau und Kriegsschäden
noch immer viele Teile des ursprünglichen Baus und verfügt
über einen sehr großen Garten.
Das ursprünglich recht bescheidene Sommerhaus
im damaligen Landhausstil (siehe Foto von ca.1870) wurde
noch vor der Jahrhundertwende um einen Anbau erweitert. Auch eine
weitere deutliche Vergrößerung in den 20er Jahren entstellte
das Haus keineswegs und machte es zu einem prächtigen Landhaus,
das nicht nur direkt an den Schloßpark grenzte, sondern
selbst auf einem parkähnlichen Grundstück stand, wie
auf den Farbfotos aus den 30er Jahren gut zu sehen ist.
In den letzten Kriegstagen brannte das Haus bis auf
die Grundmauern ab. In den Jahren nach dem Krieg wurden diese
Mauern zu einem Notbau verwendet. Das Haus, das heute im
Siebertweg 1 steht, enthält vom ursprünglichen Haus
immerhin noch einige Grundmauern und zahlreiche charmante Details.
Ein von der Familie Siebert freundlicherweise zur
Verfügung gestelltes Bild zeigt Carl Siebert, den
Sohn des Erbauers Julius, um 1930 auf der verglasten Veranda des
Hauses.
Daß auf dem Grundstück zeitweilig Hühner
gehalten wurden, ist ebenfalls fotografisch belegt. Dies wurde
sicherlich der frischen Eier wegen getan und nicht aus wirtschaftlichen
Gründen; außerdem fand man Kleintierhaltung und Nutzgärten
sicher passend zum Charakter einer Cottage-Kolonie (noch heute
gibt es hier und da Hühnerhaltung in Mulang, nicht immer
zum Entzücken aller Nachbarn. Vielleicht hilft das Foto zur
Wahrnehmung der historisch-ländlichen Komponente solcher
Hühnerhaltung und insofern zur Akzeptanz unserer gefiederten
Freunde).
|

Nr.2, 1952.*20 |
Nr.2, einst »Villa
Ichon« des Konsuls Ichon ist ein außerordentlich niedliches,
sehr schön erhaltenes Haus aus roten Ziegeln, reich geschmückt
mit Ziergiebeln, Vasen-Nische in der Fassade, Holzgitterlaube und
liebevoll gepflegtem Garten. Ein besseres »historisches«
Bild als das nebenstehende war noch nicht zu finden es zeigt
in der Vergrößerung Jutta Kramer, die Nachbarin aus der
Kurhausstr.5, im Konfirmationskleid. (Das Haus war im Krieg beschädigt
worden, wodurch viele Familiendokumente verlorengingen.) |
| Nr.3 |
Die Nr.3
ist eine wohlproportionierte Villa aus den 30er Jahren. |
|

Nr.4, um 1915: Conditorei und Café Wilhelmshöhe.
Erhalten.*7

Nr.6, 1952.*20
|
Nr.4 war einige
Zeit eines der zahlreichen Cafés in Mulang, in denen die Ausflügler
sich laben und die Kurgäste ihre Kur-Erfolge zunichte machen
konnten. Der Besitzer war Wilhelm Schultheiß, in den 30er Jahren
hieß es, wohl unter anderer Leitung, »Café Frech«.
Das untere Bild
zeigt ein Konfirmationsbild der Nachbarin aus der Kurhausstraße
5, Frau Jutta Kramer, im Jahr 1952. Im Hintergrund ist das Haus Siebertweg
6 gut zu erkennen. Bis zu einer Renovierung in den 80er Jahren hat
nach Erinnerung Frau Kramers noch ein Schild am Haus verkündet:
»Hier können Familien Kaffee
kochen.« Kaum zu erkennen auf der linken Bildseite:
die Nr.6, ein großes Gründerzeithaus mit durchgehendem
Fachwerk, das als »Haus Sust« (unter gleicher Leitung
wie die »Villa Hermann«, Kurhausstr.5) jahrzehntelang
eine Pension war.
Die Häuser Siebertweg
4 und 6 sind in weitestgehendem Originalzustand erhalten. |
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
|
Kurhausstraße
Mulangstraße bis Baunsbergstraße;
mit dem Überqueren des Druselbachs verläßt sie die
engeren Grenzen der Villenkolonie Mulang. Sie hat ihren Namen vom
Kur- und Badehaus, zu welchem die Villa Mummy in den 30er Jahren umgebaut
wurde. Bis 1939 hieß die Straße »Rasenallee«,
ein Name, der aus Zeiten des »Chinesischen Dorfes« stammt,
als sie als Landstraße von Oberzwehren durch den Park Wilhelmshöhe
nach Wilhelmsthal angelegt wurde. Um 1905 hieß sie für
kurze Zeit Landgrafenstraße. Heute heißt nur noch das
Straßenstück vom Schloß Wilhelmshöhe nach Wilhelmsthal
Rasenallee. Ein amtlicher Lageplan von 1938 zeigt die Bezeichnung
»Heinrich-Schütz-Allee«, offenbar war dieser Name
für kurze Zeit erwogen worden.
|

Kurhausstraße, ca.1944.*20 |
1944: An
der Einmündung der Steinhöferstraße steht noch die
Litfaßsäule. Die Gehwege sind mit Steinplatten belegt.
Ganz im Hintergrund das auffällige, heute schön renovierte
Haus Nr.30. Das Bild zeigt Jutta Kramer aus der Nr.5 mit Puppenwagen.
|

Luftaufnahme von ca.1960.*15 |
Luftaufnahme der
Kurhausstraße (von recht nach links), von unten mündet
der Siebertweg und geht nach links oben als Steinhöfer-Straße
weiter. Gut zu sehen sind Park und Nutzgarten des Hauses Steinhöfer-Straße
2 (siehe dort). Wir blicken auf die Häuser Kurhausstraße
1 (mit Einfahrt und Rondell), 3, 5, die prächtige Henkel-Villa
Nr.7, und Nr.9. Vom Siebertweg sehen wir rechts in der Ecke die Villa
Sust und unten ein schönes 30er-Jahre-Haus. |

Nr.1, Villa Hochapfel, ca.1865.*13 |
Nr.1:
Der Sommersitz von Koloniegründer Schmidtmanns »Vetter
Hochapfel«, dem Maurermeister Louis Hochapfel, Lokalpolitiker
und Straßenbahnfreund, der 1903 bis 1909 mit Heinrich Engelhardt
die »Pferdebahn Cassel-Wolfsanger GmbH zu Cassel« betrieb.
Dieses Haus, das sich bis heute erhalten hat (neuerdings mit einem
Anbau auf der Parkseite), wurde schon in den 1860er Jahren erbaut.
Merkmale wie Schieferschindeln an der Fassade und ein sehr freundlich-bescheidenes
Gesamtbild zieren das heutige Haus, das wohl in den 1890er Jahren
erweitert wurde. |

Nr.2 und 4, ca.1910. Nr.2 war das »Park-Kaffee-Fremdenheim
/ Bes. B.Richter«. Auf der Postkarte, handschriftlich: »Hier
sitzen wir und trinken Kaffee.« (Reste erhalten.)*7


Zwei Bilder von etwa 1905: Die damalige
Linie 3 an der Endhaltestelle in der Kurhausstraße. Das Haus
Nr.2/4 ist auf dem oberen Bild links, auf dem unteren rechts zu erkennen.
Dieser reizvolle Streckenabschnitt wurde (als Linie 6) erst ca. 1995
stillgelegt.*3
|
Nr.2 und 4:
Ein Doppelhaus von weniger villenartigem als vielmehr vorstädtischem
Charakter, erbaut ca. 1895. Das Haus wurde irgendwann nach dem Krieg
stark umgebaut (vielleicht auch aufgrund eines Kriegsschadens). Der
Baukörper der rechten Hälfte des Hauses hat sich einigermaßen
erhalten, der Charakter wurde aber sehr verändert. Nur Details
wie der von zwei Bögen überspannte Balkon erinnern an das
»Park-Kaffee-Fremdenheim Richter«, als welches die Nr.2
wohl von Anfang an diente; die Nr.4 war die Fremdenpension »Villa
Gerta«, geleitete von »Frau E.Becker«. Ende der
20er Jahre bis wohl zum Krieg hieß die Nr.2 »Park-Café
Mössinger«. |
|

Nr.3, ca.1890, erster Bauzustand. Erhalten.*14
|
Nr.3: Die
Villa, in der Wilhelm Schmidt, der geniale Erfinder und Gründer
der »Heißdampf-Gesellschaft« Wilhelmshöhe (siehe
das Kapitel »Persönlichkeiten«), viele Jahre gelebt
hat, ist bis heute erhalten. Schmidt bezog das Haus 1898, hat es also
vermutlich nicht bauen lassen: Stil und Bauplatz weisen eher auf 18851890.
1898 zog die Familie Plumpe aus der Kurhausstraße aus
vielleicht haben sie hier gewohnt? Das Haus wurde wohl 1910, nach
dem Auszug Schmidts, gekonnt erweitert: die auf dem Bild sichtbaren
Arkaden wurden geschlossen, ein Anbau und ein Turm mit Park- und Schloßblick
kamen hinzu (siehe das Luftbild weiter oben). In diesem Zustand hat
sich das heute schön renovierte Haus erhalten. Hübsch, daß
etwas Leben auf dem Bild zu sehen ist: die Frau mit dem Hund im durchaus
ländlich wirkenden Garten, die Person auf der Arkaden-Terrasse. |
|

1897: Nr.5. Erhalten. Anzeige von 1897.*13

Nr.5, 1921.*20
Anna
und Felix v. Lewinski auf der Terrasse der Nr.5, ca.1930, im
Hintergrund Nr.3.*20

Nr.5
um 1970, aufgenommen über den Siebertweg hinweg aus der
Nr.7.*28
|
Nr.5:
Eine schön proportionierte Rotziegelvilla in sehr originaler
Erhaltung. Bis etwa 1920 war dieses Haus die Pension »Villa
Hermann«, Inhaberin war Bertha Hermann, gemäß
den Adreßbüchern von 1897 und 1899 »Zimmervermietherin«
bzw. »Inhaberin einer Familienpension«; um 1905 wurde
das Haus nach einem Fremdenführer von »Frl. Enke«
geleitet. Die Anzeige auf dem ersten Bild stammt aus einem anderen
Fremdenführer von 1897.
Das zweite Bild zeigt das Haus über 20 Jahre später.
Bäume und Masten sind gewachsen. Auf der Fassade der Schatten
des Turms von Steinhöferstr.2. Im Jahre 1921 hatten der Generalmajor
der Artillerie Felix v. Lewinski und seine Frau Anna das Haus gekauft.
Sie sind auf dem dritten Bild zu sehen, im Hintergrund die Nr.3, die
Villa Schmidt, schon im Ausbau-Zustand, mit geschlossenen Arkaden.
Zwei Begebenheiten:
Einbrecher machten in den 20er Jahren die Villenkolonie
unsicher. Felix v. Lewinski gewahrte eines Abends derlei Unholde,
die sich am gegenüberliegenden Hause, Steinhöferstr.2, zu
schaffen machten. Durch einen Zuruf wollte er sie von ihrem Tun abhalten
da schoß einer von ihnen, der Schmiere stand, auf den
Generalmajor. Dieser duckte sich, und der Schuß traf seine Frau
Anna durch die Balkontüre ins Bein. Die Übeltäter entkamen.
1944 war wieder einmal Bombenalarm. Die kleine Jutta Kramer
(wir sehen sie zu Beginn des Kapitels mit Puppenwagen) war schwer
an den Masern erkrankt. Es wurde beschlossen, sich nicht zum Bunker
am Panoramaweg, unweit von »Goßmann«, zu begeben
(der andere Luftschutzraum für die Mulang-Bewohner war im Keller
des Schlosses). In dieser Nacht fielen mehrere Stab-Brandbomben auf
das Haus, die von der Mutter, die dazu unter anderem auf das Dach
klettern mußte, gelöscht werden konnten. |

Nr.7, die Villa Henkel, um 1900.*21

Nr.7 um 1970.*28

Nr.7, 1913: Innenraum.*21

Nr.7, 1913: Salon.*21

Nr.7, 1913: Speisesaal.*21
|
Nr.7:
Diese ganz herrliche Villa im neoklassizistischen Stil baute sich
Gustav Henkel um 1890. Seine Initialen prangen auf der Krone des Mittelbaus
auf der Gartenseite. Nach dem Bau des Hauses waren seinerzeit einige
Nachbarn (laut immer noch kursierenden Gerüchten!) ungehalten:
offenbar waren sie (zu Recht oder auch nicht) davon ausgegangen, das
Haus würde im bescheideneren »Schweizer Stil« erbaut
werden. Das Haus, eines der schönsten, die je in der Villenkolonie
gestanden haben, ist perfekt erhalten, auch Gartendetails wie eine
Tuffstein-Grotte sind noch vorhanden. Zum Erbauer und seinem langjährigen
Mitbewohner Wilhelm Schmidt siehe das Kapitel »Persönlichkeiten«.
Ein langer Bericht von Gustav Henkel zu den ersten Jahren der
Villenkolonie und seinen dortigen Aktivitäten: Bitte
hier klicken.
Das obere Bild zeigt das Haus von der Gartenseite, rechts steigt
der Siebertweg zur oben quer verlaufenden Kurhausstraße an.
Das nächste Bild ist um 1970 entstanden; heute bietet sich genau
der gleiche Anblick dar. Das Bild wurde aus der Steinhöferstraße
aufgenommen, die nach der quer verlaufenden Kurhausstraße in
den Siebertweg mündet.
Zum Glück haben sich Bilder von der Innenausstattung erhalten:
Eine Stube mit den damals üblichen schweren, »altdeutschen«
Möbeln, den Salon mit Christbaum (es heißt, es habe zu
Henkels Zeiten ein Weihnachtszimmer gegeben, das nur zu diesem Fest
überhaupt benutzt und betreten wurde) und das Speizeimmer mit
für 24 Personen gedecktem Tisch. |
| Nr.8 |
Nr.8, in
den 70er Jahren abgerissen, beherbergte etwa ab 1900 das Kaffeehaus
Dohn, gegründet vom Kunst- und Landschaftsgärtner Hermann
Dohn (Anzeige von ca.1935.)*13:

In den 60er Jahren wurde ein eher zweckmäßiges Haus an
seiner Stelle errichtet, das auf der Luftaufnahme zu Beginn dieses
Kapitels zu sehen ist.
|

Nr.11, 1935. Nicht erhalten.

Nr.11, 1935. Nicht erhalten. |
Nr.11 wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört. Die obere Aufnahme zeigt das Haus von Süden, vom
Grundstück Schloßteichstr.4 quer über die Lindenstraße
hinweg. Die untere Aufnahme wurde mir sehr freundlich von Herrn Wolfgang Froelich zur Verfügung gestellt; seinen Eltern gehörte das Haus. |
|

Nr.13 nach 1932, also zu »Piepmeyer«-Zeiten oder
kurz nach dem Verkauf an die Stadt Kassel. Nicht erhalten.*12

Nr.13 als Kurhaus um 1935, Gartenseite.*13

Um 1935: Die Gartenseite des Kurhauses.*13

Das Kurhaus um 1970.*13

Ebenfalls um 1970, kurz vor dem unverzeihlichen Abriß.*28
|
Nr.13 war ursprünglich eine
sehr großzügige neobarocke Villa, auf einem sehr großen
Grundstück als »Villa Freya« erbaut von Rittergutsbesitzer
Oscar Mummy, dem auch zumindest das Grundstück Schloßteichstraße
17 gehörte. An der Brabanter Straße standen offenbar
Wirtschaftsgebäude, die zur Villa Mummy gehörten, Stallungen,
Remisen oder derlei. Das Haus wurde um 1920 von Großkaufmann
Wilhelm Piepmeyer erworben, der es an die Stadt Kassel weiterveräußerte,
die dort um 1935 das Kur- und Badehaus einrichtete. Das Grundstück,
das fast den ganzen Block zwischen Schloßteich- und Kurhausstraße
sowie zwischen Brabanter und Lindenstraße einnahm, wurde aufgeteilt
und mit Villen bebaut; ein großer Kurgarten blieb übrig.
Das Kurhaus überlebte den Krieg einigermaßen unbeschädigt
und wurde bald danach wieder als Kurhaus benutzt. Der Kurbetrieb
wurde 1970 eingestellt und das Haus 1972 in einem barbarischen Akt
abgerissen; die »Neue Heimat« erbaute auf dem Grundstück
eine riesenhafte Wohnanlage. Zahlreiche weitere Bilder:
siehe »Kurort Wilhelmshöhe« / »Das Kur- und
Badehaus«.
|

Ca.1910.*25 |
Postkarte von ca.1910:
Kurhausstraße in Blickrichtung der Villenkolonie, hinten quer
die Hunrodstraße mit dem Verwaltungsgebäude des Henkelschen
Elektrizitätswerks (links, siehe »Kurort Wilhelmshöhe«
/ »Palmenbad«) und dem um 1995 wunderbar restaurierten
Haus an der Ecke Kurhausstraße / Hunrodstraße (halb hinter
der Straßenbahn). Siehe auch das Kapitel »Herkulesbahn«. |

Postkarte von 1940: Das »Bier- und
Speisehaus Gasthaus zum Neuen Bad, Rasenallee 46, Inh. W. Grünewald«.*13 |
Nr.46
Nahe dem Freibad wurde nach seiner Eröffnung in einem älteren
Haus, das noch erhalten ist, ein Gasthaus eröffnet. Beim Klicken
auf das nebenstehende Bild öffnet sich ein größeres
Bild mit nur der Außen- und der Innenansicht. |
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
| |
Lindenstraße
Schloßteichstraße bis Hugo-Preuß-Straße;
benannt nach den Linden, die die Straße zwischen Schloßteichstraße
und Kurhausstraße einst säumten. |

Nr.1, ca.1910. Perfekt erhalten.*19 |
Nr.1:
»Villa Waldeck«. Das perfekt
erhaltene Haus, erbaut etwa 1890, wurde als Privathaus erbaut, nach
dem Siebert-Plan der ersten Einwohner von einem »Blankenhorn«,
und in den 10er Jahren von der Wiederholdschen Klinik als Gästehaus
angekauft. Auf dem Bild von etwa 1910 sind die Linden der Lindenstraße
gut zu sehen und auch, daß die Balkone des Hauses entweder von
Anfang als oder durch baldigen Umbau mit Glas geschlossen waren. |

Nr.2 um 1900. Abgerissen.*3

Nr.2, 1935. |
Die Nr.2,
die den Krieg überstanden hatte, wurde um 1960 abgerissen und
durch ein Einfamilien- und ein Mehrfamilienhaus ersetzt. Der Besitzer
und Abreißer soll das recht bald darauf bereut haben ... Das
obere Bild zeigt das Haus von der Schloßteichstraße aus,
also mit Blick in Richtung Westen. Das untere Bild wurde vom Grundstück
Schloßteichstr.4 aus in Richtung Norden aufgenommen; rechts
oben der Dachüberstand der Lindenstr.1. Es fällt etwas schwer,
die beiden Bilder in Übereinstimmung zu bringen, und doch zeigen
beide zweifelsfrei die Nr.2, deren auffälliger Turm auch auf
Panorama-Aufnahmen (siehe dieses Unterkapitel) oder auf dem Bild bei
der Burgfeldstr.10 leicht auszumachen ist. |

Nr.4, ca. 1900, von Osten.*18

Nr.4, 1935, von Süden. Rechts die Nr.1.*18

Nr.4, 1975.*18

Nr.4, 1990.*18 |
Nr.4 steht stilistisch zwischen
Gründerzeit und Jugendstil. Der Fachwerk-Giebel mit Eckturm
wurde wohl in den 20er Jahren mit Schindeln verschalt. Das Bild
von 1975 zeigt einen reichlich heruntergekommenen Zustand mit hängendem
Klappladen und Rissen im Putz. Das Haus kam Anfang der 80er in liebevolle
Hände und ist für seine bemerkenswert schöne Renovierung
auch der gut erhaltenen Innenräume und den von außen
dezent wahrnehmbaren Ausbau (Architekt: Jochem Jourdan) mehrfach
preisgekrönt worden man sieht vor dem Haus, das durch
seine blauen Klappläden, die mattgelben Putzflächen und
die schönen Proportionen sehr anziehend wirkt, Passanten bewundernd
stehenbleiben.
|

Ausschnitt aus einer Luftaufnahme von ca.1930: Das Haus Lindenstraße
7 und 9 von der Gartenseite. Rechts im Bild die Nr.10.
Das ganze Bild und andere Blicke auf das Haus sind weiter unten bei
der Brabanter Straße zu sehen.*12 |
Nr.7 war
um 1910 noch die Pension Martelleur, beherbergte aber zur gleichen
Zeit schon das Kindersanatorium Dr. Rohr, so zumindest geht es auch
Anzeigen und Fremdenführern hervor.

Anzeige im Cassel-Wilhelmshöher
Fremdenblatt, 1910

Anzeige in Lührs Städteführer
von ca.1935
|

Nr.10, rechts die Wohnanlage Kurhausstraße 12 und 14,
noch weiter rechts die Villa Henkel, Kurhausstr.7. Bild aus der HNA
von 1979. Nicht erhalten. |
Nr.10, Das
Bild ist aus einem Beitrag in der HNA vom 19.5.1979: »Denkmalschutz
ein leeres Wort? /
Ein Stück Mulang soll Neubau weichen /
Ein kleines, wohlproportioniertes Wohnhaus mit gepflegtem, altem Baumbestand,
ein Stück Mulang, soll moderner Alltags-Eigentumswohnungs-Architektur
Motto: Hohe Rendite aus kleinem Grundstück! Platz
machen [...].
Ein Immobilienhändler hat die Parzelle erworben und möchte
das alte Gebäude abbrechen, umd statt bisher zwei Wohnparteien
künftig einem Dutzend zahlungskräftiger Kunden Eigentumswohnungen
zum Quadratmeterpreis von rund 5000 DM andienen zu können. [...]
Was bisher dazu zu lesen ist, rechtfertigt in keiner Weise den Anspruch,
»gute Architektur in außergewöhnlicher Lage« zu sein
[...].«
Das wunderschöne Haus wurde trotz Protesten von Denkmalschutz,
Anwohnern und Stadt im August 1980 abgerissen. |

»Kassel-Wilhelmshöhe, Margaretenhaus
Erholungs-Haus«. Aus »Bilder aus dem Ev. Diakonieverein
e.V.«, Berlin-Zehlendorf, o.J. (ca. 1910)*12

Nr.1315: Das Erholungsheim Margaretenhaus, Postkarte
von ca.1970. Erhalten.*12 |

Anzeige im Cassel-Wilhelmshöher
Fremdenblatt, 1910

Anzeige in Lührs Städteführer von ca.1935
|
| Nr.17 |
Das Haus Nr. 17
war in den 20er Jahren die »Pension Martelleur«. |

Nr.1925, wohl Ender der 30er Jahre. Erhalten.*12 |
Lindenstr.
19, 21, 23, 25 (links), Löwenburgstr.10
(rechts), Brabanter Straße 20 (links oben). Die Lindenstraße
reichte bis Mitte der 30er Jahre nur bis Löwenburgstraße,
dann wurde das Verbindungsstück zur Hugo-Preuß-Straße
gebaut (an der Einmündung war auch einmal ein großzügiger
Platz geplant, der leider nicht zu Ausführung kam). Auf dem Luftbild
sind links Häuser aus den 30er Jahren zu erkennen; der Charakter
dieser Bebauungsphase ist glücklicherweise erhalten geblieben.
|

Nr.21. Erhalten. Bild aus der HNA. |
Nr.21. Aus einem Artikel in der HNA vom 18.10.1975: »Zeugnisse
vergangener Architektengenerationen im Stadtbereich Mulang: [...]
Häuser, die an die Bauhaus-Architekten erinnern [...].«
Es ist sehr wichtig, auch die Bebauungsphase der 30er Jahre,
die an meist auf hohem Niveau erfolgte (manchmal sogar auf höchstem,
siehe Schloßteichstr.4) als historisch ebenso bedeutsam anzusehen
wie die Gründerzeithäuser der Anfangsphase.
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Wer kennt dieses Haus? Das Foto ist beschriftet: »Steinhöferstraße
7«, was eher falsch ist. Daß es in Mulang lag, sieht
man am Herkules im Hintergrund.*14
|
Steinhöferstraße
Kurhausstraße bis Hugo-Preuß-Straße. Benannt
nach Karl Steinhofer, 17471829, »Brunneninspektor«
und Park-Architekt (sein Name wird eigentlich, so auch auf seinem
Grabmal auf dem Parkfriedhof Mulang, mit »o« und nicht
mit »ö« geschrieben). Die Steinhöferstraße
hieß nach der ersten Benennung der Villenkolonie-Straßen
um 1895 zunächst für kurze Zeit »Landgrafenstraße«. |

Nr.2 um 1890, links die Steinhöferstraße, rechts
die Kurhausstraße. Erhalten.*15

Nr.2 19451990 mit »Notdach«.*15

Nr.2 2000.*15 |
Nr.1 gab es nie; das für diese
Nummer reservierte Grundstück, einst der Nutzgarten der Nr.3
(siehe hierzu auch das Luftbild von 1960 bei »Kurhausstraße«),
wurde mit dem Haus Kurhausstr. 12 und 14 bebaut. Die Nr.2
wurde etwa 1890 von Heinrich Schmidtmann für den Kaufmann Carl
Meister erbaut. Auf den ersten Blick fällt auf, daß Dachgeschoß
und Turmkrone nicht recht zu den beiden unteren Stockwerken passen
wollen. Der Grund ist, daß der Bauherr erst bei Fertigstellung
des Baus bis zur Dachkante aus den USA zurückkam und den Architekt
dazu bewegte, das Haus verspielter und altertümlicher weiterzubauen;
er hätte es gerne insgesamt im Stil der ersten Mulang-Villen
gehabt. Das Haus hatte hangauf ein großes, parkähnliches
Grundstück, das auf dem Foto zu erahnen ist.
Nach einem Dachbrand im Krieg wurden Turm und alte Dachform
nicht wieder hergestellt. Durch den ungewöhnlichen grottenartigen
Unterbau des Hauses blieb es eine Besonderheit, war aber durch die
Dachform entstellt und kam recht herunter. Im Jahr 2000 bekam das
Haus Nr.2 nach Entwürfen des Architekten Jochem Jourdan einen
neuen Aufsatz, der den Stilwechsel des ersten Bauzustandes widerspiegelt
und dem Haus, das seinen Park und seinen Nutzgarten durch Verkauf
und Bebauung eingebüßt hatte, villenartige Großzügigkeit
zurückgab.
Es zeigt sich auch an diesem Beispiel, daß Veränderung
von Villenbauten durchaus Verbesserung bedeuten kann, wenn sie
auf hohem gestalterischem Niveau stattfindet und dem Charakter
der Umgebung entspricht.
|
| Nr.3 (erhalten) |
Nr.3: Ein sehr
hübsches, wohlerhaltenes rotes Backsteinhaus von ca.1900. Vorübergehend
war es zusammen mit den Häusern Nr. 6 und 11a Pension unter der
Leitung von »West u. von Marschall«,
so erwähnt in »Brunnemanns
Reisehandbücher II. Führer durch Kassel Wilhelmshöhe
und Umgebung« von 1910. |
| Nr.5 |
Ob die heutige Nr.5
die Erstbebauung darstellt, konnte noch nicht ermittelt werden. Es
handelt sich um einen sehr gekonnten flachen 60er-Jahre-Bungalow,
eines der jüngsten zur Villenkolonie passenden Häuser. |
| Nr.6 (erhalten) |
Um 1905 war die Nr.6,
ein herrliches Spätgründerzeithaus mit Turm, laut einem
Fremdenführer die »Villa
Hermine: Frl. Rüppel«. Siehe auch Nr.3. |
|

Blick aus Nr.7 auf die Nr.9, ca.1915.*12

Eine phantasievoll kolorierte Version.*13
|
Die Nr.7 ist
das allseits so genannte »Salve«-Haus, wegen der auffälligen
Inschrift über der Haustüre. Es ist ein bezaubernd renoviertes
Spät-Gründerzeit/Früh-Jugendstil-Haus aus rotem Backstein,
wohlversehen mit Wintergarten. Das Bild zeigt einen Blick
aus der Nr.7 in den oberen Teil der Steinhöferstraße.
Links die Nr.9 (nicht erhalten), rechts die erhaltene »Kleine
Löwenburg«, Löwenburgstr.6. Weiter erkennt man die
(teilerhaltene) Steinhöferstr.8, ganz rechts neben dem
Turm der Kleinen Löwenburg den Giebel der Nr.10 und, ganz hinten
mit Turm, das nicht erhaltene Haus Hugo-Preuß-Str.5 /
Ecke Steinhöferstr. |

Ca.1910: Nr.8, (teil)erhalten und Nr.10, erhalten.*13

Zwei Seiten über das Mathildenhaus aus »Zimmersche
Töchterheime / Erziehungs- und Bildungsanstalten für junge
Mädchen mit höherer Mädchenschulbildung, unterhalten
von der Mathilde-Zimmer-Stiftung (...)«,
Berlin, Januar 1912.*5
|
Nr.8 war
das »Töchterheim Mathildenhaus« der Mathilde-Zimmer-Stiftung
(siehe das Kapitel »Wilhelmshöhe« / »Rammelsberg«).
Das Haus ist in etwas entstellter Form erhalten. Zum Thema »Töchterheime«:
Hier klicken für
ein Fenster mit Textauszügen des Prospektes vom Töchterheim
»Haus Freya« in der Burgfeldstraße.
Nr.10, rechts hinten, steht an einer
kleinen Verbindungsstraße zwischen Steinhöfer- und Mulangstraße
und ist in sehr originalem Neo-Renaissance-Zustand erhalten. Die
umzäunte Dachterrasse ist erfreulicherweise auch noch da
das Metall solcher Brüstungen und auch von schönen Gartenzäunen
wurde in den Kriegen oft eingesammelt und eingeschmolzen, und spätere
Generationen hatten selten Grund, die Spielerei einer Gründerzeit-Dachterrasse
wiederherzustellen.
|

Ca. 1935: Nr.9 (nicht erhalten), dahinter der Turm der Nr.11.*13

Ca. 1930: Das Haus Nr.9 im Hintergrund einer Postkarte, die
das Haus Brabanter Straße 20 zeigt.*26
|
Die ursprüngliche
Nr.9 ist nicht erhalten. Über die Funktion des Hauses
im »Dritten Reich« das den Krieg entfachte, in
dem die einst hübsche Villa unterging gibt der Rückseitenaufdruck
der abgebildeten Postkarte Auskunft: »NSDAP.
Gauleitung Kurhessen / NS.-Frauenschaft
Gauschule Kassel«. Heute steht dort eine anmutige 50er-Jahre-Villa
mit zwei runden »Mon Oncle«-Fenstern rechts und links
der Eingangstür. |

Nr.11, ca.1910: Nicht bzw. nur in Restchen erhalten.*13 |
Nr.11
war als »Haus Breiding« in wunderbar verspieltem
Cottage-Stil errichtet worden und diente später auch unter dem
Namen »Villa Heinrich« als Fremdenheim. Eine Fraktur-Inschrift
von ca. 1900 auf dem erhaltenen Sockel des Hauses lautet: »Villa
Landgrebe«. Siehe auch Nr.3.

Anzeige von ca.1935. Das »Haus
Sust« war die schön erhaltene Villa im Siebertweg 6, also
im »kleinen Siebertweg«. |
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Löwenburgstraße
Mulangstraße bis Lindenstraße; benannt nach der Löwenburg
im Park Wilhelmshöhe. Bei der Vergabe von Straßennamen
um 1895 hieß die Straße zunächst für kurze Zeit
»Bismarckstraße«. |
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Nr.1 und 3, ca.1890: Café Mulang (zerstört),
Ridinger Schloß (erhalten). Blick von Westen, von der Mulangstraße
aus.*7

Anzeige von 1897 für das Café Mulang. Der Holzstich,
gezeichnet mit Blick nach Westen, ist sicher deutlich älter.*13

Café Mulang um 1900
von der Mulangstraße aus gesehen, nach rechts geht die Löwenburgstraße.
Hinter dem Café sieht man den Turm des Ridinger Schlosses
herausspitzen.*14

Ca.1880: »Das Ridingerschloß auf Wilhelmshöhe
(Bergschloß Stickel).« Foto von Emil Rothe.*14

Postkarte von ca. 1895. Ridinger Schloß und Café
Mulang von Süden, von der Löwenburgstraße aus.*13

Ca.1900: »Mondschein«-Karte mit Café und
Hotel.*13
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Nr.1 war
das überaus beliebte »Café Mulang«
von Wilhelm Ledderhose (18631933), der einer alteingesessenen
Wahlershäuser Familie entstammte. Dieses legendäre Haus,
errichtet im Cottage-Stil, wurde am 19. Januar 1945 bei einem Bombenangriff
zerstört. Der »Oberleddschen«, wie der Volksmund
den in Wahlershausen geborenen Wirt nannte, hatte auch die Fischpacht
von Lac und Fontänenteich inne. So konnte er werben: »Hotel
Ridinger Schloß, Wilhelmshöhe, anerk. gut. Pens., Tägl.
lebende Forellen, eig. Fischerei, Bes.: W. Ledderhose, Kgl. Hofl.«
In »Die Woche«, Heft 47 vom 18. November 1916
*13 wurden auf einer Seite einige
Bilder vom Abfischen der Teiche ohne weiteren Kommentar dargestellt
(auf das Bild klicken für ein Fenster mit der ganzen Seite):

Im Juni 1922 wurde in Kassel der Jérôme-Film »Napoleons
kleiner Bruder« gedreht. Die Filmleute wohnten im Schloßhotel,
hielten sich aber bevorzugt bei Ledderhose auf: Regisseur Georg Jacoby
und die Schauspieler Marlene Dietrich, Harry Liedtke, Käthe Dorsch
und Jakob Tiedtke. Hier
klicken für einen Beitrag von Wolfgang Hermsdorff mit
Einzelheiten aus der Zeit der Dreharbeiten.*16
»Im selben Jahr
im September 1922 saß Joachim Ringelnatz (anläßlich
eines Gastspiels in der »Perle«) bei Ledderhose, trank
ein Glas Wein nach dem anderen und dichtete: »Ich brauchte mindestens
zwei Flöhe / für einen Reim auf Wilhelmshöhe.«*9
Die Nr.3, das »Hotel Ridinger Schloß«,
das ursprünglich als Privatvilla der Familie Stickel erbaut worden
war (darauf weist jedenfalls der Name »Bergschloß Stickel«),
ist samt Aussichtsturm bestens erhalten. Ein Werbetext lautet: »Unmittelbar
am Kgl. Park und den Wasserkünsten gelegen, neue und comfortabel
eingerichtete Fremdenzimmer, zwei große schöne Gärten.
Im Ridinger Schlosse befinden sich Konversations-, Lese-, Rauch- und
Spielzimmer, Bäder. Elektrische Beleuchtung. Mäßiger
Pensionspreis. On parle français. English spoken.«
Das »Ridinger Schloß« soll nach Georg
Ridinger (15681616) benannt sein, einem in Straßburg
geborenen Baumeister, der unter anderem das Aschaffenburger Schloß
schuf. Das Hotel Ridinger Schloß hat bis heute ein Portal, das
aus dem Jahr 1657 stammt und einem Renaissance-Bau der damals noch
nicht untergegangen Kasseler Altstadt entnommen worden war.*16 |

Nr.6, die »Kleine Löwenburg«. HNA-Bild von
1975. Erhalten. |
Nr.6: Ein besonders
auffälliges, vieltürmiges Haus aus dem Jahre 1898, gennant
die »Kleine Löwenburg«. Gitter an dem vieltürmigen
Haus sind durch gekreuzte Hellebarden gebildet, Wandmalereien mit
Rittermotiven vervollständigen das Bild liebenswürdiger,
grotesker Architektur des auslaufenden Historismus. (Siehe auch die
Bilder bei »Steinhöferstr.7«.) |



Löwenburgstr.10, ca.1900: Drei Bilder des Töchterheims
»Villa Felicitas«. Teilerhalten.*13
|
Nr.10 (Ecke Lindenstraße):
In diesem Haus war das Töchterheim »Villa Felicitas«
(siehe auch oben die Anmerkungen über Töchterheime
beim »Haus Freya« in der Burgfeldstraße 5). Die
Betreiberinnen waren zumindest zwischen 1895 und 1905 Frida und
Julie Dohm, »Pension-Vorsteherinnen«.
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Brabanter
Straße
Wigandstraße bis Hugo-Preuß-Straße; benannt nach
dem Fürstenhaus von Brabant / Niederlande, welches »hier
Besitzungen hatte«, wie im Adreßbuch von 1916 steht. Bis
ca. 1915 hieß die Straße »Kurvenstraße«
oder auch »Curvenstraße«, damals existierte nur
das untere Stück Schloßteichstraße bis Wigandstraße.
|

Postkarte von ca.1910: Brabanter Straße / Wigandstraße.*13
Siehe auch das Bild bei Burgfeldstr. 21. |
Der Druselbach-Grünzug
auf der südlichen Seite der Brabanter Straße war von Anfang
an zur Abgrenzung der Villenkolonie gedacht und sollte nicht bebaut
werden. Das ist bis heute so geblieben, aber der Bebauungsdruck nimmt
zu. Das Bild zeigt die Einmündung der Brabanter Straße
(nach links führend) in die Wigandstraße, die Allee im
Vordergrund, und dürfte vom Turm der Christuskirche aus gemacht
worden sein. Es handelt sich um eine Postkarte für den Privatgebrauch:
die Rückseite trägt den Aufdruck: »L.Brandt
/ Cassel-Wilhelmshöhe, den
... / Wigandstraße 16 /
Telephon Nr. 3532«. Das Haus Wigandstraße 16 ist
das Eckhaus rechts im Bild. |

Ca.1910: Blick von der Straßenbahn-Haltestelle Wigandstraße
auf die untere Brabanter Straße.*3 |
Straßenbahn-Haltestelle
Wigandstraße. Eines der kostbaren Privatphotos aus dem Album
der Familie Greger. Das große Haus rechts ist wieder die Wigandstr.16,
daneben sieht man das mächtige Dach der Klinik Dr.Greger in der
Burgfeldstr.17. |

Nr.8, um 1960. Perfekt erhalten. Die häßliche Garage
rechts wurde abgerissen: Ein seltenes und löbliches Beispiel! |
Nr.8,
ein sehr schönes und gut erhaltenes Haus von 1927; es zeigt an
Fenstern, Dach und insgesamt die eckigen Formen der expressionistischen
Moderne. |

Ca.1940: Südliche Ecke des Blocks Kurhausstraße
(links) / Brabanter Straße (unten quer) / Schloßteichstraße
(hinten).*12
|
Luftaufnahme von
etwa 1940. Man sieht links vorn eine Ecke der Kurhausstraße,
unten die Brabanter Straße. Das Haus rechts in der Ecke ist
die große, leider zerstörte Gründerzeitvilla Schloßteichstraße
10, weiter hinten in der Schloßteichstraße, oben in der
Bildmitte, die Nummern 6 und 4. Das 30er-Jahre-Haus vorne links ist
zu einer Wohnanlage erweitert worden, das Haus daneben wird abgerissen
werden und einer laut Werbeschild höchst lächerlichen Villenkarikatur
Platz machen, das Grundstück Schloßteichstraße 10
ist von einer anonymen »Stadtvilla« besetzt, zwei Häuser
weiter in der Schloßteichstraße steht eine weitere »Stadtvilla«,
die aufgrund ihrer Verbautheit sogar schon vom Volksmund einen Spitznamen
bekommen hat. So gut erhalten die Villenkolonie auf weiten Flächen
ist: Hier haben die »Investoren« ganze Arbeit geleistet
(siehe Lindenstraße 10). |
|

1930: Panorama-Aufnahme.*13
Die beiden auffallenden kirchenähnlichen
Türme im linken Bildteil sind: ganz links Hugo-Preuß-Str.
5, weiter rechts Steinhöferstr. 11 (beide nicht erhalten).

1939: Winter-Panorama.*13
|
Zwei Montagen aus
je zwei Privatfotos vom Frühjahr 1930 und Winter 1939. Die
Brabanter Straße oberhalb der Kurhausstraße. Die Bilder
wurden von einem Haus in der Hunrodstraße aufgenommen, das etwa
da steht, wo vorher das Henschelsche Elektrizitätswerk stand
(siehe »Kurort und Bad« / »Palmenbad«). Die
Villen sind auf dem ersten Bild gerade frisch fertig bzw., links,
im Bau. Auf beiden Bildern sieht man eine Straßenbahn der damaligen
Linie 5 (heute fährt hier die 3). Rechts sind Gebäude der
Kurhausstraße zu erkennen, in der hinteren Reihe die Lindenstraße.
Die Wiese, die bei beiden Aufnahmen im Vordergrund liegt, ist aus
dem Landschaftsschutz entlassen und soll von der Stadt Kassel zu Bebauungszwecken
verkauft werden. Die Kaltluftschneise des schönen Druselbach-Grünzugs,
der auch zur optischen Abgrenzung der Villenkolonie von großer
gestalterischer Wichtigkeit ist, ist höchst gefährdet! |

Ca.1930: Der mittlere Teil der Brabanter Straße.*12
|
Luftaufnahme
von ca. 1940 (?): Brabanter Straße (links), Kurhausstraße
(rechts), Lindenstraße (hinten). Die in süßem Schlummer
liegende Stadt Kassel hat die Schutzwürdigkeit dieser 30er-Jahre-Villen
bis heute nicht erkannt. |

Ca.1960: Der obere Teil der Brabanter Straße.*12
|
Luftaufnahme
von ca. 1960 (?): Brabanter Straße (links unten), Lindenstraße
(rechts) und Hugo-Preuß-Straße (oben links). In der Mitte
die Brabanter Straße Nr.20. |

Nr.20, ca.1935. Anzeige aus einem
Fremdenführer. Erhalten.*13

Postkarte von ca.1930.*26
|
Nr.20
war 1935 das »Haus Fernblick, Inhaber: M.Oetzel«. Die
zum Zeitpunkt des Baus, also etwa 1930, sehr exponierte Lage dieses
Hauses samt großem Garten ist auch auf dem Kur-Prospekt ganz
oben auf dieser Seite gut zu sehen. Das Haus ist erhalten; das einst
großzügige Grundstück wurde, teils recht unglücklich,
bebaut. |

Ca.1910: Brabanter Str. 26 (erhalten).*13

Fast die gleiche Perspektive, ca. 20 Jahre später.*12

1927: Straßenbahnunglück an der Einmündung
der Brabanter Str. in die Hugo-Preuß-Str. Im Hintergrund das
Haus Brabanter Str.26.*16
|
Die Bilder zeigen die Einmündung der Brabanter Straße
in die Hugo-Preuß-Straße. Das obere Bild zeigt das
schön erhaltene Haus Brabanter Straße 26, gegenüber
steht noch nicht das später als Waldorfschule genutzte Haus.
Rechts im Hintergrund die Hunrodstraße mit dem auffällige
Schornstein des Henkelschen Elektrizitätswerks, das die Villenkolonie
und die Herkulesbahn mit Strom versorgte und dessen Abwärme
das Palmenbad heizte.
Auf dem unteren Bild steht das Waldorfschul-Gebäude
schon, das Elektrizitätswerk war 1913 abgerissen worden (und
ohnehin hinter den Bäumen nicht sichtbar).
1927 ereignete sich ein Straßenbahnunglück an
dieser Straßenecke. Eine führerlose, mit Fahrgästen
beladene Bahn rollte von der Endhaltestelle Druseltal bergab und
entgleiste an dieser Biegung. Beim Klicken auf das Bild öffnet
sich ein größeres Fenster mit dem vollständigen
Beitrag aus Wolfgang Hermsdorffs unschätzbarer HNA-Reihe »Ein
Blick zurück«.
|
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(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
| |
Hugo-Preuß-Straße
bis 1945 »Fürstenstraße«, Mulangstraße
bis Im Druseltal; benannt nach Hugo Preuß, 18601925, Staatsrechtslehrer,
Politiker (Entwurf für Weimarer Verfassung).
Aus der Hugo-Preuß-Straße,
dem Anthoniweg und den oberen Teilen der Villenkolonie gibt es in
den Antiquariaten und Archiven weniger Bilder als aus den älteren
Teilen. Dies liegt wohl daran, daß die Gründungsphase die
aufregendere Zeit auch für Photographen war und die große
Zeit der Ansichtskarten mit ihrer erstaunlichen Vielfalt an Motiven
mit dem Ersten Weltkrieg endete. Material ist darum um so willkommener.
|

Nr.2/2a, ca. 1910, Ansicht von Norden. Die Hugo-Preuß-Straße
mündet direkt links neben dem linken Haus (in Resten erhalten)
auf die hier nach rechts oben verlaufende Mulangstraße.*13 |
Das Haus Nr.2/2a
ist heute das Evangelische Fröbelseminar. Erbaut wurde
es als Bestandteil der Wiederholdschen Kuranstalt. Viele Bilder
und die Geschichte der ganzen Häusergruppe: siehe »Kurort
Wilhelmshöhe« / »Dr.Wiederhold, später Dr.Rohrbach«.
|
|

Nr.5, ca.1895: als »Pension Villa Hedwig«, von Osten,
von der Steinhöferstraße.*5

Nr. 5 als »Töchterpensionat Dietz«, 1910.*5
Das Haus ist beschriftet »Pension«
und »Villa Angelika.«
Auf der Rückseite der Postkarte folgender Text: »Wilhelmshöhe,
am 4.10.1910. Mein liebes Friedel! Seit gestern bin ich hier und
sende Dir viele herzliche Grüße, wie geht Dirs?
Schreibe mir bitte mal, ich würde mich so sehr freuen! Noch
schönen Dank für Deine letzten Zeilen. Immer Deine Dora.«
[Von anderer Hand:] »Liebe
Friedel! Hast Du meinen Brief nicht erhalten warum antwortest Du
nicht. Agathe habe ich hier noch getroffen, habe mich schrecklich
gefreut. viele Grüße u. schreib bald Deiner Bertha Dennler.«
|
Eines der ältesten Häuser dieses
Teils der Kolonie war das Haus in der Fürstenstraße
5, das auf der Siebert-Karte der ersten Einwohner Wilhelmshöhes
mit dem Namen »Brandau« bezeichnet ist und später
die »Pension Villa Hedwig« wurde. Um 1910 war
es hinwiederum das »Töchterpensionat Dietz«. Es
stand an der Ecke Hugo Preuß Straße / Löwenburgstraße
und ist auf Panorama-Aufnahmen an seinem hohen, markanten Turm leicht
zu erkennen; siehe z.B. die Aufnahmen bei »Brabanter Straße«.
Heute ist keine Spur mehr von dem Haus übrig.

»Ausblick aus dem Mathildenhaus«,
Steinhöferstraße Nr.8, nach Westen in Richtung Habichtswald
und auf das Haus Hugo-Preuß-Straße 5.
Abbildung aus »Zimmersche
Töchterheime / Erziehungs- und Bildungsanstalten für junge
Mädchen mit höherer Mädchenschulbildung, unterhalten
von der Mathilde-Zimmer-Stiftung (...)«,
Berlin, Januar 1912.*5
 
Nr.5, ca.1890,
von Osten (links) und von Süden (rechts).*14
|

Nr. 21, ca.1930: Privat-Postkarte von Dr. Felix Blumenfeld.*12 |
In der Nr. 21
wohnte der Kinderarzt Dr. Felix Blumenfeld (1873-1942). Siehe
das Kapitel »Persönlichkeiten«. |
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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1899: Das Panorama der »Kuranstalt Dr. Wiederhold«
zeigt links oben Häuser des heutigen Anthoniwegs: v.l.n.r: Die
heutige Nr.10 (erhalten), die Nr.12 (im Krieg zerstört, modern
wiederaufgebaut), Nr.14 (erhalten), die ursprüngliche Villa Dr.
Schmidt (nicht erhalten).*24
|
Anthoniweg
Mulangstraße bis Hugo-Preuß-Straße; benannt nach
Johann Jacob Anthoni, 16751740, Goldschmiedemeister, der 17131717
im Messinghof der Stadt Cassel die Herkules-Figur in Kupfer trieb.
Der Anthoniweg ist zweigeteilt: zwei Stichstraßen führt
von der Hugo-Preuß-Straße bzw. von der Mulangstraße
aus bogenförmig aufeinander zu. Der Teil, der an der Mulangstraße
beginnt, ist mit zwei älteren Häusern bebaut: Nr.10 und
Nr.14. Die andere Stichstraße wurde erst in den 30er Jahren
angelegt, nachdem Dr. Wilhelms Rohbach in der Inflation seine Heilanstalt
retten konnte, aber das Parkgrundstück verkaufen mußte;
viele hübsche Villen dieser Zeit sind dort erhalten geblieben.
|
|

Ca.1875: Der »Gasthof Schweizerhaus«, erbaut
als Kurheim von Dr. Schmidt ca. 1867.*14
Und weil es so schön ist (und der Betreiber der Website so
besessen): Hier zwei weitere Bilder des Hauses:

Das Schweizerhaus, ca.1875.*14

Das Schweizerhaus, ca.1975.*14

Das beschädigte »Schweizer Haus« der Kurklinik
Dr. Rohrbach nach dem Krieg.*24
|
Die Bilder
zeigen das älteste Haus der heutigen Villenkolonie:
Die ehemalige Villa von Dr. Justus Schmidt, die er auch als Kurheim
nutzte. Die Bezeichnung »Gasthof Schweizerhaus« mag das
Haus schon unter Schmidt gehabt oder erst später erhalten haben.
Es wurde 1877 Teil der Kuranstalt Dr. Wiederhold und ging 1920
in den Besitz Dr. Wilhelm Rohrbachs über (siehe hierzu
das Kapitel »Kurort Wilhelmshöhe«; dort auch weitere
Bilder).
Das erste Bild trägt auf der Rückseite den handschriftlichen
Vermerk: »Gasthof Schweizerhaus,
abgebrannt 8.5.1900.« Ein weiterer
Hinweis auf eine Zerstörung findet sich nicht. Das Haus wurde
offenbar bald wieder aufgebaut, wurde aber im Zweiten Weltkrieg abermals
beschädigt und alsbald abgerissen. Heute stehen an seiner Stelle
gleichgültige Neubauten. |
| Nr.10 (Bild
siehe oben) |
Nr.10: Ein Rotziegelbau
von ca.1895 in bester Erhaltung auf einem wunderbaren Grundstück. |
| Nr.14 (Bild
siehe oben) |
Nr.14: Ein sehr
gut erhaltener Bau von ca. 1890 mit vielen schönen Details. Das
Haus war zu Zeiten der jeweiligen Heil- und Kuranstalten das private
Wohnhaus der Familie Dr. Moritz Wiederholds und später Dr. Wilhelm
Rohrbachs. Heute beherbergt es das Forstamt Kassel von »Hessen-Forst«. |
| |
(Nach
oben zum Inhaltsverzeichnis.)
|
Gastlichkeit
in Mulang
(Gaststätten und Hotels in Wilhelmshöhe und dem Habichtswald:
Siehe die Seite »Wilhelmshöhe«.) |
Eine möglichst vollständige Liste der
Hotels, Pensionen, Pensionate, Restaurants, Gästehäuser
und Sanatorien in Mulang. Aus den im Kapitel »Was ist
eine Villenkolonie?« beschriebenen Gründen wurden auch
andere Häuser zeitweilig für zahlende Gäste geöffnet.
(* = wird noch betrieben)
Hotel und Pension v. Eschstruth, Mulang Nr.13
Café in der Ayurveda-Klinik*: Wigandstraße
1
Sanatorium Dr. Greveler: Wigandstraße 1-3
Pensionshaus Wilhelmshöhe: Wigandstraße 5
Restauration C.Brune / Oetting: Wiegandstr.5
Burgfeld-Café*: Burgfeldstraße 1
Burgfeld-Hotel*: Burgfeldstraße 2
Töchterheim Haus Freya: Burgfeldstraße 3
Heinrich Thon, Burgfeldstraße 1-3
Villa Nitsch, Burgfeldstraße 4
Gästehs. Villa Luise (Dr.Greger): Burgfeldstr.6
Pension Villa Sanssouci: Burgfeldstraße 9
Villa Schwarz, Fr. Engelhardt, Burgfeldstr.10
Burgfeld-Krankenhaus: Burgfeldstraße 11
Hotel Im Rosengarten: Burgfeldstraße 16
Sanatorium Dr. Greger: Burgfeldstraße 17
Villa Margarethe, Diät. Küche, Burgfeldstr.21
Hotel und Restaurant Kronprinz: Schloßteichstr.1
Hausfrauenschule Viktoriaheim: Schloßteichstr.5
Café Schultheiß / Café Frech: Siebertweg
4
Pension Haus Sust: Siebertweg 6
Café Mössinger / Richter / Enke: Kurhausstr.24
Villa Gerta, G. Dieling, Kurhausstr.4
Pension Villa Hermann: Kurhausstraße 5
Kaffeehaus Dohn: Kurhausstraße 8
Kurhaus, Kurhausstraße 13
Villa Waldeck, St. Woytynek: Lindenstraße 1
Fremdenpens. Geschw. Martelleur: Lindenstr. 7
Kindersanatorium Dr. Rohr: Lindenstraße 7-9
Erholungsheim Margaretenhaus: Lindenstr.1315
Pension Martelleur: Lindenstraße 17
Villa Hermine, Frl.Rüppel: Steinhöferstraße
6
»West und v. Marschall«: Steinhöferstr.3,6,11a
Töchterheim Mathildenhaus: Steinhöferstraße
8
NS-Frauenschaft-Gauschule: Steinhöferstraße 9
Villa Heinrich, Fr.G.Breiding: Steinhöferstr. 11
Café Mulang: Löwenburgstraße 1
Hotel Ridinger Schloß: Löwenburgstraße 3
Töchterheim Villa Felicitias: Löwenburgstr. 10
Fremdenpens. Villa Felicitias: Löwenburgstr. 10
Haus Fernblick: Brabanter Straße 20
Sanatorium Wiederhold/Rohrbach: Hugo-Pr.-Str.1
Pension Villa Hedwig, Hugo-Preuß-Straße 5
Gasthof Schweizerhaus, Anthoniweg 16
»Conditorei Barner, Moulang«, »Barner,
Hermann, Restauration, Konditorei, Pension, Fa.: Konditorei Wilhelmshöhe«
(»Villenkolonie 140 3/8«: ?)
»Sacken« (?, in einem Reiseführer von ca.1900)
»Café Schultheiß« (? Reiseführer
von 1910)
»Café Oppermann« (? Reiseführer von
1910)
»Becker« (? Reiseführer von 1910)
(Bei den fünf Namen am Ende der Liste, deren Lage unbekannt
ist, kann es sich um noch nicht zugeordnete Eigentümer bereits
erwähnter Cafés und Pensionen handeln.)
In unmittelbarer Nähe der Villenkolonie:
Frau Dr. Feldmann, Rolandstraße 10 (1913)
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Siehe auch das Unterkapitel »Das
Außenkommando Druseltal des KZ Buchenwald« im Kapitel
»Wilhelmshöhe, Umgebung«.

Auf einer Luftaufnahme der Villenkolonie aus den 30er Jahren
ist die »Pferdewiese« rot markiert.*12 |
Die Außenstelle des KZ Buchenwald in Mulang
Im Buch »Alfred F. Groeneveld: Im Außenkommando Kassel
des KZ Buchenwald (Nationalsozialismus in Nordhessen
Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, Band 13), Kassel 1991«
wird von Groeneveld, einem niederländischen Häftling,
der als Schreiber arbeitete, berichtet,
wie das Buchenwald-Außenlager im Druseltal 85 auf Geheiß
des »Höheren SS- und Polizei-Führers« Josias
Erbprinz von Waldeck und Pyrmont angelegt und betrieben wurde, um
in Wilhelmshöhe verschiedene Baracken zu erbauen. Diese dienten
zu dem Zweck, weitere Bauvorhaben von Waldecks in Nord- und Oberhessen
zu organisieren und zu planen. Diese Außenstelle war, gemessen
am Lager Buchenwald, nach Groeneveld noch ein »besseres«
Lager, doch Unterernährung, Folter und härteste Arbeit
waren an der Tagesordnung. Krankheit bedeutete meist die Rücksendung
nach Buchenwald (zum »Verschrotten«, wie die übliche
Bezeichnung der SS-Führung lautete).
Von Waldeck ließ von Zwangsarbeitern ab Sommer
1943 zwei Baracken oberhalb des Anthoniwegs, am sogenannten
»Panoramaweg«, planen und errichten. Diese Baracken
stehen heute noch. Sie wurden nach dem Krieg von der Massageschule
Dr. Wilhelm Rohrbachs und danach bis heute von einem Eisenbahn-Planungsbüro
benutzt.
Als nächstes folgten drei Baracken auf der »Pferdewiese«
zwischen der Wigandstraße, Unter den Eichen und der Wiese,
auf der heute die Orthopädische Klinik steht.
Wie die Wahl auf diese
beiden Grundstücke gefallen war, konnte noch nicht ermittelt
werden. Die Bewohner Mulangs stießen von Mitte 1943 bis Anfang
1945 immer wieder auf die Häftlinge, die in ihren von Groeneveld
so genannten »Zebra-Anzügen« morgens und abends
in bewachten Kolonnen den Weg zwischen den Baracken an dem Außenlager
Druseltal zurücklegen mußten, weil dort die verflohten
Strohsack-Massenlager waren. Groeneveld berichtet sowohl von Blicken
des Einvernehmens, die zwischen Straßenbahnpassagieren im
Vorbeifahren mit den Bewachern ausgetauscht wurden wie auch von
bewußtem Wegsehen - aber auch von Hilfe von Seiten des Wachpersonals,
vor allem aber von der Familie Froelich, denen das Haus und das
Grundstück Druseltalstraße 85 gehörte.

Ein Ausschnitt aus dem Kurprospekt-Panorama,
der ganz oben auf dieser Seite vollständig zu sehen ist. Rot
markiert sind: Die Außenstelle Druseltal (oben), die Stelle
am Panoramaweg oberhalb des Anthoniwegs, an der die ersten Baracken
errichtet wurden (Mitte) und die Wiese zwischen Wigandstraße
und An den Eichen (unten).
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Friedrich Forssman
Schloßteichstraße 3
34131 Kassel
mail@kassel-mulang.de
Dank an
Dr.Helmuth Greger
Sabine Köttelwesch, UniversitätsBibliothek Kassel Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel
Rolf Lang, Niestetal
Dr.Alexander Link, Stadtmuseum Kassel
Yannick Philipp Schwarz
Christian Siebert
Gerd Fenner
Nachweise
*1 Heinrich Schmidtmann: Erinnerungsbilder
*2 Ein Nachdruck weiter Teile dieses Textes, ergänzt um viele
Fotos: Stadtsparkasse Kassel (hg.): Heinrich Schmidtmann, Erinnerungsbilder,
bearbeitet von Karl-Hermann Wegner, Kassel 1993
*3 Familienarchiv Greger
*4 Familienarchiv Siebert
*5 Bürgerverein Wilhelmshöhe/Wahlershausen (Hg.): Historische
Fotografien aus Wilhelmshöhe/Wahlershausen, Kassel 1986
*6 Stadtarchiv Kassel
*7 Sammlung Rolf Lang, Niestetal
*8 Ortsbeirat Brasselsberg (Hg.): Brasselsberg Geschichte
und Anekdoten, Kassel o.J. (ca.1990)
*9 Wolfgang Hermsdorff: Kassel 1900 bis heute, 3.Aufl., Kassel
1961
*10 Ralf Zumpfe, Karin Schrader, Carsten Thiemann: Architekturführer
Kassel 19001999, Kassel 1997
*11 Paul Heidelbach: Die Geschichte der Wilhelmshöhe, Leipzig
1909
*12 Stadtmuseum Kassel
*13 Sammlung Feyll/Forssman
*14 UniversitätsBibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche
Bibliothek der Stadt Kassel
*15 Familienarchiv Bornhütter
*16 Wolfgang Hermsdorff, Ein Blick zurück, Reproduktion der
HNA-Serie, zusammeng. m. Registern und Quellenverz. v. Hiltgunde Thiele,
Kassel 1992.
*18 Familienarchiv Berlipp
*19 Familienarchiv Obermüller
*20 Familienarchiv Kramer
*21 Familienarchiv Djukic
*22 Stadtsparkasse Kassel (Hg.): Friedrich Wilhelm Murnau
ein großer Filmregisseur der 20er Jahre, Kassel 1981
*23 Sabine Köttelwesch: Rundgang durch das alte Kassel, Gudensberg-Gleichen
2000
*24 Familienarchiv Evamarie Junginger-Rohrbach
*25 Archiv Yannick Philipp Schwarz, Kassel
*26 Sammlung H.-W. Hess, Kassel
*27 Sammlung Kuhne, Fulda
*28 Nachlaß Tilman Störmer; Dank an Gerd Fenner, Kassel
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