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Im nebenstehenden »Versuch
zu einem geschichtlichen Ueberblick«
wird von Gustav Henkel in der dritten Person gesprochen. Es wird
aber deutlich, daß er ihn zumindest in wesentlichen Teilen
selbst verfaßt hat.
Der Text entstammt einem Durchschlag, wohl von 1914, abgeheftet
in einer Mappe der Henkelschen E-Werke, aus der Sammlung von Yannick
Philipp Schwarz, dem an dieser Stelle gedankt sei. Die Orthographie
der Vorlage wurde beibehalten. Die Marginalien des Originals sind
hier den jeweiligen Absätzen in fetter Schrift vorangestellt.
Kommentare stehen in eckigen Klammern.
Eine stark gekürzte Version des Textes wurde abgedruckt in:
H. Köhler, Henkels Elektrizitätswerke, 1914.
Zu den erwähnten Summen: In der Zeitspanne, die der
Bericht umfaßt, veränderte sich der Wert des Geldes kaum.
Ein Fahrrad war 1912 im Katalog von August Stukenbrok, Einbeck,
von 35 Mark an aufwärts zu haben, ein Pullover oder eine Taschenuhr
ab 2 Mark, ein Rasiermesser ab 1 Mark. Man kann die damaligen Preise
etwa verzehnfachen, um auf heutige Euro-Werte zu kommen. Bei jeder
Umrechnung muß bedacht werden, daß das Lohngefälle
größer war als heute, sodaß ein Fahrrad für
den Arbeiter schwer zu erschwingen war, für den Villenbesitzer
aber keine bedeutende Ausgabe darstellte. Durch dieses Lohngefälle
konnte sich ja auch damals jeder bürgerliche Haushalt, ganz
zu schweigen von Mulang-Villen-Haushalten, Angestellte leisten.

Gustav Henkel.
Bild aus G.A.Stör, »Die Herkulesbahn in Kassel«.
Siehe auch das Kapitel »Die Herkulesbahn« auf
dieser Website.

Werbekarte, ca. 1910.*6
(Wenn Sie auf eines der nachstehenden Bilder klicken, öffnet
sich ein Fenster mit einem größeren Bild.)

Ca. 1900: Das Henkelsche E-Werk von Südwesten. Links
das Verwaltungs-Gebäude, angebaut Palmenbad und Gewächshaus.
Links hinter dem Verwaltungs-Gebäude verläuft die Hunrodstraße,
parallel zum Gewächshaus rechts die heutige Kurhausstraße.*2

Ca.1900: Das E-Werk von der Hunrodstraße aus (von Osten).
Beim Klicken auf das Bild öffnet sich ein Fenster mit dem ganzen
HNA-»Blick zurück« Nr.1408.

Im Gewächshaus des Palmenbads. Postkarte von ca.1900.*1

Um 1900: Männerbadezeit im Hallenbad. Bei der Treppen
sind die »mächtigen Delphine« zu bestaunen.*4

Ca.1910: Blick über die Einmündung der Brabanter
Straße nach Osten in die vorne quer verlaufende Fürstenstraße,
die heutige Hugo-Preuß-Straße. Hinten rechts sieht
man den Schornstein des Henkelschen E-Werks und das Palmenbad.*1

Um 1910: Ein Wagen der Herkulesbahn in der Kurhausstraße,
kurz nach dem Verlassen der Endhaltestelle Palmenbad. Links sieht
man das Verwaltungshaus des E-Werks.*3

Nr.7, die Villa Henkel, um 1900.*5

Nr.7, 1913: Innenraum.*5

Nr.7, 1913: Salon.*5

Nr.7, 1913: Speisesaal.*5
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Versuch
zu einem geschichtlichen Ueberblick
über die Entwicklung von
Henkels-Elektrizitätswerken
zu Cassel-Wilhelmshöhe
1892-1914.
Vorgeschichte.
Am Aufblühen der Villencolonie Wilhelmshöhe sind ganz
besonders zwei öffentliche Einrichtungen von hervorragendem Einfluss
gewesen: Die Anlagen der Ent- und Bewässerungs-Genossenschaft
und die Errichtung von Henkels Elektrizitätswerken.
Bildeten erstere eine sanitäre Notwendigkeit für die Anwohner,
so wurde durch die Versorgung der Villencolonie mit elektrischem Licht
erst eine wirkliche Behaglichkeit geschaffen, die das Wohnen in dem
neu entstandenen Vororte von mancher tief empfundenen Unzuträglichkeit
befreite. Vor allem wurde die öffentliche Sicherheit durch die
Anlage einer elektrischen Strassenbeleuchtung ausserordentlich gefördert.
Frühere
Strassenbeleuchtung durch Petroleum-Lampen.
Es waren vorher nur eine geringe Anzahl Petroleumlampen an den Strassenecken
etc. vorhanden, deren Bedienung und Instandhaltung aber für die
Gemeinde Wahlershausen, welcher die Villencolonie Wilhelmshöhe
bis zu der im Jahre 1906 erfolgten Eingemeindung zu Cassel politisch
gehörte, eine grosse Last bedeutete, weshalb denn auch die Beleuchtung
im Dorfe Wahlershausen selbst, wie vor allem aber in den sehr verzweigten
Strassenzügen der Villencolonie, immer viel zu wünschen
übrig liess.
Diese Uebelstände der öffentlichen Beleuchtung
wie die Lösung der Lichtfrage für den Privatgebrauch liessen
in dem derzeitigen Mitinhaber der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft
vorm. Beck & Henkel in Cassel, Herrn Direktor Gustav Henkel, welcher
im Jahre 1891 seinen Wohnsitz nach hier verlegt hatte, den Entschluss
reifen, ein Elektrizitätswerk mittleren Umfangs zu errichten.
Es fand dieses Vorhaben sowohl beim Gemeinderat und dem
Bürgermeister Wimmer, wie bei allen auf den Fremdenzuzug gerichteten
Verkehrsbestrebungen lebhafteste Unterstützung, so namentlich
beim Kur- und Verschönerungsverein und der Genossenschaft zu
Wilhelmshöhe, deren Vorsitzender, Stadtrat [Julius] Siebert,
allen an der Genossenschaft Beteiligten durch Rundschreiben den Anschluss
zur Stromentnahme dringend empfahl.
Vertrag über elektrische Strassenbeleuchtung.
Mit der Gemeinde Wahlershausen wurde ein zunächst auf 10
Jahre lautender Vertrag abgeschlossen, wonach sich Henkel verpflichtete
die Anlage der elektrischen Strassenbeleuchtung von zunächst
88 auf das Gesamtstrassennetz verteilter Glühlampen auf eigene
Kosten auszuführen und damit die öffentliche Beleuchtung
in der vorgeschriebenen täglichen Zeitdauer zu bewirken. Für
die Beleuchtung sowie für das Auswechseln der Glühlampen
und die sonstige Unterhaltung der Strassenlampen wurde ein Pauschalbetrag
von M. 250.- für den Monat vereinbart. Für jede weitere
Glühlampe, welche auf Anordnung des Gemeinderates anzulegen war,
wurde ein Monatsbetrag von M. 3.- zu Grunde gelegt [siehe die
seitlichen Anmerkungen zu diesen Summen].
Ferner erhielt Henkel in Anbetracht des für das Verteilungsnetz
erwachsenden hohen Kostenaufwandes die Genehmigung die öffentlichen
Strassen und Plätze in der Gemeinde Wahlershausen für die
zur öffentlichen und privaten Stromversorgung dienenden Leitungen
auf alle Zeiten unentgeltlich zu benutzen.
Erste Privatanschlussnehmer.
Da des weiteren die Kuranstalten Dr. Wiederhold [Fürsten-Straße:
Hugo-Preuß-Straße 2, nicht erhalten] und
Dr. Greveler [Wigandstraße 1-3, erhalten], die
Verwaltung des Pensionshauses [Wigandstraße 5, nicht
erhalten], Café Mulang [Löwenburgstraße
1, nicht erhalten] sowie die Besitzer
der besseren Villen [es war offenbar umgekehrt: für das
Prädikat »besser« war in Henkels Augen ein Elektroanschluß
die Bedingung], u. a. Regierungsbaumeister
Schwartzkopff [Regierungsbaumeister Georg S., Parkstraße
149 1/2, Villa Clara: Schloßteichstraße 10, nicht erhalten],
Leutnant Brauer [Johann Albrecht B., Privatmann, Park-Straße
133 3/4: Schloßteichstraße 1, erhalten],
Schmidtmann [Heinrich S., Architekt, Kronprinzenstraße
134 1/8: Burgfeldstraße 8, erhalten],
Lingelbach [Carl L., Rittergutsbesitzer, † um 1898, und Eva
L., geb. Baronesse Goltz, Park-Straße 147 3/4 (?), ausgez. o.
† vor 1904], Knauff [Jean K.,
Landschafts- bzw. Kunstgärtner, Wiegand-Straße 133 1/4,
† vor 1904, Anna K., Witwe: Wigandstraße 2, erhalten],
Stadtrat Siebert [Julius S., Siebertweg 1, nicht erhalten]
u. a. m. sich zur Einführung des elektrischen Lichtes verpflichteten,
so war hierdurch ein, wenn auch noch recht kleiner, so aber doch sicherer
Abnehmerkreis für elektrischen Strom geschaffen.
Eröffnung 1. Mai
1893. Nachdem von den zuständigen Behörden die erforderlichen
Genehmigungen zur Errichtung der Stromzentale sowie zur Legung des
Verteilungsnetzes, für welch letzteres im Hinblick auf
die aussergewöhnlich grosse Verzweigung nur oberirdische Kabelführung
in Frage kommen konnte, eingeholt waren, wurde mit den Ausführungsarbeiten
im Herbst des Jahres 1892 begonnen und diese so gefördert, dass
die Gesamtanlage am 1. Mai 1893 der öffentlichen Benutzung übergeben
werden konnte.
Strompreis. Grundgebühr. Der Strompreis war
im allgemeinen auf 70 Pfg., für Grossconsumenten mit über
50 angeschlossenen Lampen auf 60 Pfg. für die Kilowattstunde
festgesetzt. Ausserdem wurde eine Gebühr für Bereithaltung
des Stromes und für kostenlosen Ersatz ausgebrannter Glühlampen
von M. 5.- für jede angeschlossene Lampe und Jahr erhoben. Da
der Preis einer Kohlenfadenlampe damals noch 3-5 M. betrug und zur
Aufspeicherung des Stromes eine grössere, bedeutende Unterhaltungskosten
erfordernde Akkumulatorenbatterie aufgestellt war, so dürfte
es einleuchten, dass von einem eigentlichen Gewinn aus diesem Tarifmodus
keine Rede sein konnte. Bei Garantie einer bestimmten Anzahl Brennstunden
pro Lampe und Jahr kam zudem diese Grundgebühr in Fortfall; übrigens
wurde solche im Jahre 1894 auf M. 3.- und 1895 auf M. 2.- pro Lampe
und Jahr ermässigt, da auch die Glühlampen inzwischen entsprechend
billiger geworden waren. Bemerkt sei hierbei, dass der Strompreis
beim Casseler Elektrizitätswerk damals 80 Pfg. für die Kilowattstunde
betrug.
Maschinen. Bei Eröffnung des Werkes waren
im Ganzen einschl. der Strassenbeleuchtung rd. 800 Glühlampen
angeschlossen. Im Maschinenhause des Werkes hatten zwei liegende 40
PS zweizylindrige Dampfmaschinen der Maschinenfabrik W. Schmidt &
Co. in Aschersleben bezw. der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft vorm.
Beck und Henkel, in Cassel Aufstellung gefunden, welche von zwei stehenden
Röhrenkesseln mit Dampf versorgt wurden.
Ueberhitzung. Als ein Moment besonderen Weitblicks
möge hervorgehoben werden, dass schon im ersten Jahre die damals
im Maschinenbau noch fast vollständig unbekannte Verwendung hochüberhitzten
Dampfes nach de System des Baurats Dr. ing. W.[ilhelm]
Schmidt [siehe »Persönlichkeiten«],
welchen ein enges Freundschaftsverhältnis mit Direktor Henkel
uns seiner Familie verbindet, hier eingeführt wurde. von der
im ersten Jahre angewandten Kohlenstaubfeuerung wurde bald wieder
Abstand genommen. Die Ueberhitzungseinrichtungen erfuhren jedoch entsprechend
den epochenmachenden Fortschritten auf diesem Gebiete fast in jedem
Jahre Erweiterungen, sodass solche als mustergiltig zu bezeichnen
sind.
Braunkohlenfeuerung. Als Feuerung fand die Braunkohle
des Habichtswaldes und zwar durchweg in Gestalt von Grus, wofür
die Feuerungsroste entsprechend construiert wurden, Verwendung. Der
Preis dieser Kohle betrug damals 13 Pfg. pro Hektoliter.
Erste Dynamos. An Dynamomaschinen waren zunächst
2 Maschinen der Firma Schwartzkopff in Berlin mit je rd. 20 KW Leistung
aufgestellt, zu welchem nach kurzer Zeit 2 St. A.E.G. Dynamos der
Type G. 200 hinzukamen. Die ganze elektromaschinelle Einrichtung sowie
die Lieferung und Herstellung des Leitungsnetzes wurde von der Berliner
Elektrischen Beleuchtungs-Aktien-Gesellschaft bewirkt.
Unterstation. Um die Spannung in dem etwas entfernt
von der Zentrale gelegenen Dorfe Wahlershausen ununterbrochen in der
erforderlichen Höhe halten zu können, war ursprünglich
im Hinterhause der früheren Wimmerschen Wirtschaft [Wilhelmshöher
Allee 284, siehe »Wilhelmshöhe und Umgebung«]
eine Accumulatoren-Unterstation angebracht, deren Aufladung von der
Zentrale aus erfolgte und von welcher die Spannung je nach der auftretenden
Belastung selbsttätig reguliert wurde. Durch die Legung stärkerer
Speisekabel wurde diese Unterstation später überflüssig
und dann entfernt.
Palmenbad. Um die mit dem Auspuffdampf aus den
Maschinen noch abgehende Wärme möglichst weitgehend zu verwerten
wurde dem Elektrizitätswerk die Anlage des Hallenschwimmbades
»Palmenbad« angegliedert [Siehe »Bad Wilhelmshöhe«
/ »Palmenbad«]. Dieses besteht
aus einem 100 qm großen - neben einem ca. 10 m hohen, 20 m langen
und 10 m breiten hohen mit Tuffsteingrotten, Springbrunnen, farbigen
Jlluminationlampen etc. lukrativ [sic]
ausgestatteten Palmenhause - eingebauten Schwimmbassin, welches Abteilungen
für Schwimmer und Nichtschwimmer enthält, dessen Wasser
durch ständigen Zulauf fortwährend erneuert und durch den
Abdampf erwärmt wird.
Ausser dem Palmenhaus sind noch zwei 40 bezw. 20 m lange
Culturhäuser und ein 40 m langes und 6 1/4 m breites Wein- und
Rosenhaus, deren Erwärmung ebenfalls mittelst Abdampf erfolgt,
vorhanden.
Benützung des Palmenbades. Gebrauchsfähig
war das Palmenbad bereits 1894, aus mehrfachen Gründen erfolgte
die offizielle Eröffnung für die allgemeine Benutzung erst
im Sommer 1896. Besonders regen Zuspruch hat das Palmenbad bei den
Pensionaten und den hiesigen Schwimmvereinen, welche regelmässig
zu vorher festgelegten Zeiten das Bad benutzen, von Anfang an erfreut.
Die früher von einem Gardisten der Königlichen Schlosswache
erteilten Lehrkurse im Schwimmen waren ausserordentlich beliebt. Leider
mussten diese infolge Versetzung des Beamten eingestellt werden. Die
Mannschaften der III. Reitenden Batterie des Hessischen Artillerie
Regimenes No. 11, welche im Königlichen Marstallgebäude
zu Wilhelmshöhe einquartiert waren, brauchten bis zu ihrem im
Jahre 1903 erfolgten Fortzuge von hier, regelmässig einmal in
der Woche (meistens Sonnabends) das Palmenbad, worauf dann stets eine
vollständige Erneuerung des Wassers und gründliche Reinigung
des Bassins stattfand.
Bade-Rückfahr-Karten. Um die Benutzung des
Palmenbades den Bewohnern Cassels nach Möglichkeit zu erleichtern,
war mit der Direktion der früheren Dampfbahn ein Abkommen dahingehend
getroffen, dass von den Schaffnern Rückfahrkarten Königsplatz
- Wilhelmshöhe zum Preise von 70 Pfg. verausgabt wurden, welche
den Inhaber zur einmaligen Benutzung des Palmenbades berechtigten.
Dem Palmenbade fielen hiervon für jede verkaufte Rückfahrkarte
35 Pfg. zu. Diese Einrichtung fand allgemeinen Beifall, wurde jedoch
nach Uebernahme der Dampfbahn seitens der Grossen Casseler Strassenbahn
von dieser nach kurzer Zeit wieder aufgehoben.
Erste Geschäftsanschlüsse. Durch intensive
Agitation wurde bald die Mehrzahl der Villenbesitzer für den
Anschluss an das Stromnetz gewonnen, und auch im Dorfe Wahlershausen
fand die elektrische Beleuchtung bald eingang, namentlich in den Wirtschaften,
Bäckereien, Schlachtereien und Verkaufsläden. Im August
1894 wurde Gossmanns Naturheilanstalt [in der heutigen
Druseltalstraße am Rande des Habichtswaldes, 1972 abgerissen
zur Erbauung der dreitürmigen Seniorenwohnanlage]
mit über 300 Glüh- und 16 Bogenlampen sowie einem 2 PS Elektromotor
für Wäschereizwecke und 2 Ventilatoren angeschlossen. Im
Frühjahr 1895 kam Villa Mummy
mit rd. 185 Glühlampen hinzu [Das Grundstück umfaßte
fast den ganzen Block zwischen Kurhausstraße, Schloßeichstraße,
Lindenstraße und Brabanter Straße. Die Villa Mummy, später
Villa Piepmeyer, Kurhausstraße 15, wurde 1935 zum Kurhaus und
1972 abgerissen]. Deren Anschluss und
die an der Villa vorbeiführenden Hauptleitungen des Netzes wurden
auf Veranlassung des Besitzers der Villa Mummy in unterirdische Kabel
verlegt. Ebenso erhielt die im Jahre 1896 angeschlossene Villa Eckert
unterirdischen Anschluss [Eugen
E., Privatier, Landgrafenstraße 145 1/2: Steinhöferstraße
7, erhalten]. Leider war die Instandhaltung
der Erdkabel mit unerträglichen Schwierigkeiten verbunden, sodass
umfangreiche und kostspielige Aenderungen mit denselben vorgenommen
werden mussten.
Anschluss der Dampfstrassenbahn.
Im Jahre 1896 wurde der erste Elektromotor für gewerbliche Zwecke
mit einer Leistung von 4 PS angeschlossen. Dieser fand Aufstellung
in der Betrieb-Werkstätte der Dampfstrassenbahn gegen eine feste
tägliche Gebühr von M. 5.- für Stromverbrauch und Motormiete.
Da sich der Motor hier ausserordentlich gut bewährte kamen in
kurzer Zeit weitere Motoranlagen hinzu, so Schreiner Kumpe, Schmied
Bischoff etc. - Der Betriebsbahnhof und die Endstation der Dampfbahn
[siehe »Wilhelmshöhe und Umgebung« / »Endhaltestelle
der Linie 1«] wurden schon gleich
nach Eröffnung des Werkes mittelst Bogenlampen von je 3 Amp.
gegen eine Pauschalgebühr von 56 Pf. pro Stunde beleuchtet.
Sturmnacht 1895. In der Nacht vom Sonntag, den
14., auf Montag, den 15. Juli 1895, wurde ganz Mittel- und Norddeutschland
von einem verheerenden Orkan heimgesucht, welcher überall furchtbare
Verwüstungen anrichtete. So wurden hier u. a. eine grosse Anzahl
der in der Wilhelmshöher Allee stehenden grossen, u. z. T. etwas
abständigen, Lindenbäume umgerissen und dadurch sämtliche
in der Wilhelmshöher Allee befindlichen Speise- und Vertilungsleitungen
zerschlagen, sodass sich eine gänzliche Neuverlegung erforderlich
machte. Die früher hier vorhandenen zahlreichen schwachen Einzelleitungen
wurden bei dieser Arbeit in vereinfachter Weise zu wenigen starken
Hauptleitungen zusammengelegt, wordurch die ganze Anordnung des Netzes
wesentlich vereinfacht wurde.
Maschinenerweiterung. Im Jahre 1895 wurde die eine
40 PS Zwillingsmaschine in eine 80 PS Maschine umgebaut und die andere
Maschine an eine Casseler Ziegelei verkauft. Auf den hierdurch gewonnen
Platz fand dann eine stehende, von der Maschinenbau Aktien-Gesellschaft
vorm. Beck und Henkel in Cassel gelieferte, 150 PS Heiss-Dampfmaschine
Aufstellung.
Erweiterungen der Kesselanlagen. Da die stehenden
Schlangenröhrenkessel den für die erweiterte Maschinenanlage
und die erhöhte Beanspruchung des ganzen Werkes erforderlichen
Dampf nicht mehr zu liefern vermochten, wurde im Jahre 1898 ein von
der Firma W. Schmidt und Co. in Aschersleben [der Firma Wilhelm
Schmidts, siehe »Persönlichkeiten«]
angefertigter liegender besteigbarer Rauchröhrenkessel mit einer
wasserbespülten Heizfläche von 111 qm eingebaut, welchem
im Jahre 1901 ein zweiter, von der Dampfkessel Fabrik vormal Arthur
Radberg in Darmstadt gelieferter gleicher Kessel mit 134 qm wasserbespülter
Heizfläche folgte.
30 PS Turbine. Um zu den Zeiten der stärksten
Beanspruchung noch eine Maschinenreserve zu haben, der verfügbare
Raum indessen äusserst knapp bemessen war, liess Henkel im Jahre
1898 eine 30 PS de Lavalsche Dampfturbine aus den Humboldwerken
i/Kalk bei Köln aufstellen.
[Der untere Teil
des Typoskriptblattes und der obere Teil des folgenden fehlen, stattdessen
ist ein handschriftlicherZettel eingeheftet: »Brand im Schweizerhaus
wurde von unbekannt herausgeschnitten«. Das Schweizerhaus war
die Villa Schmidt im heutigen Anthoniweg, die um 1901 zum Gebäudekomplex
der Wiederholdschen Anstalt gehörte. Siehe »Kurort Wilhelmshöhe«
/ »Reichel / Wiederhold / Rohrbach«. Das Fehlen des Ausschnittes
deutet vielleicht auf einen elektrischen Kurzschluß als Brandursache?
Dieses älteste Haus der Villenkolonie wurde wieder aufgebaut,
erlitt aber im März 1945 Schäden, die zum Abriß führten.]
Zeche Marie. Die immer mehr gesteigerte Nachfrage
nach Braunkohlen veranlasste die Gewerkschaft Schombardt im Frühjahr
1898 in der Grube Marie eine Kohlenförderung und Wasserhaltungseinrichtung
mit elektrischem Anschluss zu beschaffen. Die Lieferung der gesamten
Anlage wurde Henkels Elektrizitätswerken übertragen. U.
a. wurde in der Grube, welche Stolleneingang hat, ein Bremsberg mit
doppelseitigem Aufzug sowie mehrere Pumpeneinrichtungen, angetrieben
mittelst 3 1/2 PS Elektromotore, und eine ebenfalls elektrisch betätigte
Ventilationsanlage aufgestellt. Für die Zuleitung musste eine
besondere ca. 4000 m lange 28 qm/m starke Kupferleitung gezogen werden,
davon 1000 m durch einen Wald führend, mit wetterbeständiger
Jsolation versehen. Das Arbeiten in der Grube war mit ganz besonderen
Schwierigkeiten und zeitweise sogar mit Lebensgefahr für unsere
Monteure verbunden, indem häufig und vollständig unvorhergesehen
grössere Wasserdurchbrüche entstanden, wodurch in kurzer
Zeit lange Strecken unter Wasser gesetzt wurden, ohne dass es immer
gelang die Maschinen früh genug in Sicherheit zu bringen. Unsere
Monteure mussten oftmals ganze Nächte hindurch - selbst halb
im Wasser stehend - arbeiten, um nur den Betrieb der Grube zu retten.
Da das Wasser eine Menge feinen Sandes mit sich führte,
bereitete der Betrieb der zuerst aufgestellten Rotationspumpe durch
die ausserordentliche Abnutzung der Flügel auf die Dauer unerträgliche
Schwierigkeiten, weshalb später mehrere Kolbenpumpen angeschafft
wurden. Im ganzen waren nach Vollendung der Anlagen 4 Elektromotore
mit zus. 11 PS angeschlossen.
Zeche
Friedrich Wilhelm II.
[Hier hatte ich erstmal keine Lust mehr zum Abtippen. Wenn jemand
das bedauert, bitte melden.] |